HUDE, 6. Januar 2012


Milder Winter bringt frühe Farbtupfer

Botanik Gartenbesitzer sind erstaunt über buntes Treiben – Zaubernuss blüht Wochen zu früh


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Silke Tönjes-van Tol von der Baumschule Tönjes mit der schon blühenden Zaubernuss. Auch im Garten von Horst Evers steht der Strauch schon in voller Blüte (ovales Bild). BILDer: Jantje Ziegeler  Bild vergrößern

Vielerorts sind schon Frühjahrsblüher zu entdecken. Für die weichen Wurzeln der Stauden ist der nasse Boden problematisch.

von Jantje Ziegeler

Hude - Der Winter, der keiner ist: Wo im vergangenen Jahr noch Schnee die Landschaft zierte, lugen in diesem Jahr hie und da schon einige Blüten hervor. Die NWZ  fragte bei den Gartenbesitzern nach, die im vergangenen Jahr im Rahmen der Huder Gartenerlebnisse einen Einblick in ihr grünes Reich gewährten, ob sie etwas Besonderes festgestellt haben.


Frühe Blütezeit in Gärten
„Bei mir ist zum Beispiel schon die Zaubernuss zu sehen“, berichtet Gartenbesitzer Horst Evers, „die treibt schon Blüten aus. Schneeflöckchen gucken auch schon hervor. Es ist viel zu warm.“ Zwar ist er sich nicht ganz sicher, wann die Blüten sonst anfingen zu blühen, aber er schätzt: „Die Zaubernuss ist zwei bis drei Wochen früher dran als sonst. Wir müssen uns wahrscheinlich auf viele Nacktschnecken im Sommer einstellen“, befürchtet Evers. Vor etwa fünf Jahren habe er nach einem milden Winter an einem Sommerabend 800 Schnecken in seinem Garten gezählt.

Anne Mümken hat im eigenen Garten zwar keine Auffälligkeiten beobachtet, aber in Hude sind ihr generell die Frühlingsblüher aufgefallen: „Die schauen schon weit aus der Erde raus. Wenn es jetzt noch mal Frost gibt, während das schon alles blüht, haben wir ein Problem.“

Ein paar mehr bunte Farbkleckser würde sich Hilde Stünkel wünschen. Wenn es nach ihr ginge, könnte ruhig schon viel mehr blühen. In ihrem Garten ist aber „alles, wie es sein soll. Ein paar Krokusse gucken nur schon aus der Erde. Die können das auch ab, falls es noch mal Frost gibt.“ Freuen würde sie sich über den Anblick eines rosa Viburnums, „der blüht ganz früh“, erklärt sie.

„Bei mir blühen Rosen am Rankgitter“, erzählt Tibke Vehlies, „außerdem habe ich eine gelbe Blume bei mir im Garten entdeckt, die sonst eigentlich im Herbst blüht. Und vor der Tür blühen zwei Primeln. Auch eine Sommerblume, eine Art Sonnenhut, blüht noch, obwohl ihre Blütezeit im Sommer/Anfang Herbst eigentlich vorbei gewesen wäre.“ Von dem bunten Treiben im Winter im Vergleich zu den Vorjahren ist Vehlies beeindruckt: „Es ist erstaunlich, wie diese Pflanzen blühen, gerade die Rosen, obwohl sie noch gar nicht dran sind.“


Rhododendren blühen
Auch Silke Tönjes-van Tol von der Baumschule Tönjes bestätigt, dass fast alle Zaubernuss-Pflanzen bereits blühen. „Eigentlich blüht sie erst von Januar bis März, aber diesmal fing sie schon im Dezember an. Ende Oktober blühten sogar schon die weißen Rhododendren. Dabei wären die erst im Mai wieder dran gewesen. Und die weißen Blüten des Lorbeer-Schneeballs blühten schon im Herbst statt im März.“ Auch die Frühjahrsblüher seien schon weit raus. Und Pflanzen, die eigentlich gerade in der Wachstumsruhe sein müssten, fingen an zu treiben. „Die Triebe sind sehr weich. Wenn jetzt Frost kommt, blühen sie nicht mehr“, erklärt Tönjes-van Tol. Winterharte Kamelien dagegen vertragen nur bei geschlossener Knospe Frost. „Sobald auch nur eine Schale an der Knospe fehlt, geht der Frost rein und die Knospe friert ab.“

Was sie Gartenbesitzern rät? „Im Moment müssen sie gar nichts machen, Frost ist noch nicht in Sicht.“ Viel eher bereitet der nasse Boden Probleme: „Stauden sind zum Beispiel krautige Pflanzen. Ihre weichen Wurzeln vertragen das nicht so gut, wenn sie pappnass sind. Die gammeln dann weg“, so die Pflanzenexpertin. Um dem vorzubeugen, könne man den Boden mit Zuschlagstoffen verbessern.

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