KIRCHKIMMEN, 28. Januar 2012


Mit Mischtechniken auf den Hund gekommen

Ausstellung „Augenblicke“ in der „Galerie am Stall“ zeigt vom 5. Februar bis 11. März Werke von Bärbel Hische


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Ein „Augenblick“: Frank Giesen zeigt eines der Werke von Bärbel Hische BILDer: Jantje Ziegeler  Bild vergrößern

Frauen-Bilder aus der Renaissance spielen eine große Rolle in der Ausstellung. Bärbel Hische interessiert sich für ihre Entstehungsgeschichte.

von Jantje Ziegeler

Kirchkimmen - Irgendwie waren die Maler der Renaissance zu Beginn des 14. Jahrhunderts so eine Art „Heiratsvermittler“. „Im Mittelalter standen noch biblische Szenen im Mittelpunkt“, erklärt Galerist Frank Giesen, „in der Renaissance rückte dann der Mensch in den Mittelpunkt, ganz häufig waren das Frauen im heiratsfähigen Alter, damit sie unter die Haube kommen.“ Die gemalten Bilder, wie die Figuren den Betrachter letztlich anschauen, waren natürlich Resultat einer ganzen Anzahl von Sitzungen – und genau dieser Augenblick in seiner Entstehungsgeschichte interessiert Künstlerin Bärbel Hische, die vom 5. Februar bis zum 11. März Werke in der „Galerie am Stall“ in Kirchkimmen ausstellen wird.

„Der andere Aspekt, für den sich Bärbel Hische interessiert, ist, dass diese gemalten Frauen mehr oder weniger eingesperrt waren. Sie wurden zu Hause gehalten“, fügt Giesen hinzu.

Typisch für Hisches ausgestellte Bilder ist, dass sie in Schichten angelegt sind. Die Cloppenburgerin, die auch ein Atelier in Berlin hat, hat Originalmotive von Renaissance-Malern oft fotografiert, vergrößert und collagiert. Hische hat sich verschiedener Drucktechniken bedient, wie zum Beispiel Linoldruck oder Holzschnitt, um die Renaissance-Motive zu ihren eigenen Werken zu erweitern. „Obwohl es Drucke sind, sind es aber immer Unikate“, erklärt Giesen. Oft hat Hische auf Seidenpapier gedruckt, das zuvor schon einmal bedruckt worden ist. Auf dem letztlich entstandenen Werk fügen sich somit verschiedene Schaffensprozesse zu einem Gesamten.

Nicht selten ist ein Hund auf den Werken zu entdecken; sei er deutlich sichtbar aufgeklebt oder übermalt. „Der Hund war ein besonderes Symbol: Er sollte auf die Frau aufpassen“, erklärt Giesen. Typisch für Bärbel Hische ist die Ornamentik, um die Bilder darstellerisch spannend zu machen.

Zu den 53 ausgestellten Bildern gehört auch das „Musenarchiv“. Dabei handelt es sich um kleine, runde Werke, die – farblich zueinander und zu den größeren Werken passend – aufgehängt sind. „Die Renaissance-Portraits, die Hische genutzt hat, sind im Original in rechteckigen Bildern“, sagt Giesen, „mit der runden Form will sie die geschlossene Form aufbrechen.“

Viele Anspielungen und Zitate lassen sich in den Werken wiederfinden. So ist auf einem der „Augenblick“-Werke der Kopf von Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ zu sehen; ihre eigentlich den Hermelin streichelnde Hand ragt dagegen – übermalt und somit nur noch wenig zu sehen – von links in das Bild hinein.

Die Vernissage, bei der Bärbel Hische dabei sein wird, findet am Sonntag, 5. Februar, um 11.15 Uhr statt. Wiebke Steinmetz, Kunsthistorikerin aus Delmenhorst, hält die Einführung. Am 26. Februar gibt es eine Sprech-Installation in der Scheune.

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