WARDENBURG, 11. August 2010


Rollendes Haus ist 14 Tage autark

Tourismus Erica und Rolf Düppe legen gerne in Wardenburg Zwischenstopp ein


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Rolf und Erica Düppe beim Zeitunglesen in ihrem „Wohnzimmer“, in der Mitte Max. BILD: Fademrecht  Bild vergrößern

Der Surfsport machte das Ehepaar aus Münster mobil. Seit fast 30 Jahren reist es im Wohnmobil durch Europa.

von Werner Fademrecht

Wardenburg - „Nati Liberi“, das offizielle Motto des italienischen Wohnmobil-Clubs steht vorne auf ihrem Wagen. Und „frei geboren“ fühlen sich Erica und Rolf Düppe auch. Aus dem Fenster ihrer guten Stube schauen sie auf den freien Wardenburger Marktplatz, aus ihrer Küche, dem Schlaf- und Esszimmer auch. Das ist kein Wunder: Ihr ganzes Heim besteht aus einem 20 m² großen Wohnmobil, das sie sich auch noch mit Max, ihrem sechsjährigen Ridge­back-Mischling teilen.

„Zuhause bei uns in Münster sind wir nur noch wenige Monate im Jahr“, erzählt Erica Düppe. Die 69-Jährige und ihr Mann touren seit 1982 mit ihrem Wohnmobil durch Europa. Bis zu 15 000 Kilometer legt das Ehepaar seitdem jedes Jahr zurück – anfangs noch mit seinen Kindern, mittlerweile allein. Die Surfwelle hat sie Anfang der 80er Jahre wie viele Deutsche erfasst. „Anfangs hatten wir bis zu sieben Bretter auf einem Anhänger, doch schnell haben wir die Vorzüge eines Wohnmobils schätzen gelernt“, sagt der 74-jährige Rolf Düppe und nippt an seinem Kaffee, den seine Frau anderthalb Meter weiter in der Kochnische frisch aufgesetzt hat.

Zwischen Nord- und Ostsee, Nord- und Süditalien pendelt das Ehepaar seit fast 30 Jahren hin und her. Den Surfsport haben die Düppes nach vielen Jahren wieder aufgegeben. „Für die Gesundheit war es schon gut, aber heute ist man ja fast alleine auf den Seen. So macht das keinen Spaß“, sagt Erica Düppe.

„Man braucht schon ein gutes Organisationstalent“, gibt die gelernte technische Bauzeichnerin zu und löst eine schwellenlose Klappe aus dem Fahrzeugboden: Italienische Nudeltüten, eingeschweißte Gewürze und getrocknete Tomaten liegen dicht an dicht, so weit das Auge reicht. Der komplette Fahrzeugboden ist im Inneren mit einem Hohlraum versehen und dient so als Vorratslager. „Wir sind mindestens 14 Tage völlig autark“, ist sich Rolf Düppe sicher. Vier Solarplatten auf dem Dach liefern in der warmen Jahreszeit genügend Strom für Wasser und Licht. Wenn mal mehr Strom benötigt wird, produziert den ein transportabler Gasbrenner. Worauf die beiden Wohnmobilisten besonders stolz sind: Die gesamte Gestaltung des Wagen ist nach ihren Plänen geschehen – nur die Plattform, aus dem Hause des Nutzfahrzeugeherstellers MAN, war vorgegeben. Alle Türen und Einbauschränke sind beispielsweise aus Vollholz. Bis November wird das Wohnmobil Haus und Fortbewegungsmittel in einem sein. Campingplätze meiden die Düppes allerdings: „So dicht an dicht, das ist nichts für uns.“

In Wardenburg hält das Ehepaar, das auf dem Weg nach Sylt ist, mit Vorliebe. „Vor zwei Jahren wollten wir eigentlich zur Weser-Ems–Halle nach Oldenburg, aber dort gegen die Hallen zu schauen, macht doch keinen Spaß“, erinnert sich Erica Düppe. „Für uns sind die Stellplätze in Wardenburg perfekt.“

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