Hengst Incolor greift wieder an
Pferdezucht Benthullener Züchter setzt auf Comeback in Österreich und Italien
Die schweizer Spitzenreiterin Clarissa Crotta auf dem Benthullener Hengst Incolor – so ähnlich sieht der Traum des Züchters Karl-Heinz Oeltjen aus. BILD/Montage: privat 
von Werner Fademrecht
Benthullen - Clarissa Crotta, international erfolgreiche schweizer Springreiterin, hat einfach mal zum Spaß auf Incolor Platz genommen. Beruhigend krault sie ihn am Hals, dem zwölfjährigen Hengst scheint es zu gefallen. Der Benthullener Karl-Heinz Oeltjen (62), Eigentümer des Springpferdes, hat diesen Augenblick persönlich im Bild festgehalten. Schließlich ist es das, was der Züchter seit Jahren sucht: Einen Spitzenreiter, der gemeinsam mit Incolor große Turniere gewinnen will.
Das Siegen ist dem Hengst nicht fremd: 20 000 Euro Preisgelder hat er in seiner Karriere geholt, wie bei menschlichen Spitzensportlern hat den Vierbeiner Verletzungspech zurückgeworfen. Im Februar vor zwei Jahren sah alles noch ganz anders aus. Damals verleiht Oeltjen den Hengst an Pablo Barrios (Venezuela) inklusive einer Kaufoption. Barrios will Incolor als Championatspferd für die olympischen Spiele London 2012 aufbauen. Doch dann der Schock: Nach dem Lufttransport in die USA verlässt Incolor verletzt seine Box. Ein Eisen liegt in der Ecke, in seinem Huf klafft ein tiefer Riss.
Neun Monate kann der Hengst nicht trainieren. Für London 2012 reicht die Zeit damit nicht mehr. Barrios hat sich mittlerweile anders entschieden. Doch „Incolor ist wieder in einem super Zustand“, bemüht sich Oeltjen, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. Der Benthullener Züchter hat sein bestes Pferd im Stall wieder nach Europa zurückgeholt. Beim Drei-Sterne-S-Springen in Rastede 2011 gibt es noch einen kleinen Rückschlag. Incolor verweigert auf dem Parcours die Zusammenarbeit mit seinem Reiter. Oeltjen entschuldigend: „Er ist sehr vorsichtig, etwas wehleidig – und eben ein Hengst.“
Seitdem der Vierbeiner nun von einer jungen österreichischen Reiterin in Villach trainiert wird, die ein feines Gespür für den Charakter des Springpferdes hat, wird wieder an Siege gedacht. Den Namen der 21-Jährigen, die möglicherweise auch bald Teilhaberin wird, möchte Oeltjen noch nicht preisgeben. Ganz so schillernd wie die Amazone Clarissa Crotta, die auch auf Partys eine gute Figur macht und sich sehr gut selbst vermarktet, ist sie möglicherweise nicht, aber dafür sportlich ähnlich ambitioniert.
Nächster Höhepunkt soll das große Springreit-Turnier in Arezzo (Italien) im April werden. Fünf bis sechs Jahre kann Incolor, wenn alles glatt geht, dann noch sehr erfolgreich sein, hofft Oeltjen. Bei jedem offiziellen Auftritt seines Hengstes ist er zurzeit mit dabei, so auch am 10. Februar, wenn der Vierbeiner bei der österreichischen Körung im Stadl Paura antritt. Und selbst unterwegs auf Reisen gönnt sich der 62-Jährige kaum eine Pause vom Pferdesport. „Über Facebook habe ich steten Kontakt zu 5000 Pferdeleuten“, erzählt er. Der Kontakt nach Österreich sei ebenfalls über die internationale, per Internet vernetzte Reitergemeinschaft zustande gekommen.
Für den Benthullener Züchter, der parallel zum Turnierbetrieb auch die guten, genetischen Anlagen seines Spitzenhengstes selbst vermarktet und mit dessen tiefgekühltem Sperma handelt, ist der nächste Schritt damit bereits klar. „Incolor wird seine eigene Facebook-Seite bekommen“, kündigt er an.
Die Homepage des Zuchthofs Oeltjen unter @ http://www.c-incolor.eu
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