Erkrankung fordert tägliche Selbstdisziplin
Diabetes 66-jähriger Patient trägt Pumpe am Körper – Permanente Kontrolle
Ständige Kontrolle: Mit diesem Gerät misst Dieter Hamann täglich mehrmals seinen Blutzucker. BILD: Olaf Blume 
Wildeshausen - Es ist Mittwochvormittag, 11 Uhr. Dieter Hamann wechselt die Pumpe an seinem Oberkörper, sie versorgt ihn mit Insulin. Routine für den 66-Jährigen, das macht er täglich. „Jetzt habe ich wieder 24 Stunden zu leben“, sagt er anschließend süffisant. Seinen Humor hat er nicht verloren.
Dieter Hamann weiß seit 1990 von seiner Diabetes-Erkrankung, „wahrscheinlich ist sie bereits fünf Jahre zuvor durch eine Operation entstanden“, mutmaßt er.
Seine Krankheit hat er akzeptiert, auch wenn sie ihn in seinem Alltag einschränkt. Jeden Morgen nach dem Aufstehen misst Dieter Hamann seinen Blutzucker. Danach berechnet er das Frühstück nach Broteinheiten. Er habe den Einstellungsfaktor 4, das heißt: „Wenn ich eine Scheibe Brot esse, muss ich acht Einheiten Insulin spritzen“, erklärt er die Rechnerei. Diese Einheiten stellt er bei seiner Pumpe ein, die ihm das Insulin über einen Katheter zuführt. Er trägt sie Tag und Nacht. Zweieinhalb Stunden nach jedem Essen misst er den Blutzucker. Täglich.
Einmal pro Woche liest Dieter Hamann sein Blutzuckergerät am Computer aus, überprüft seine Werte. So kann er Fehler im Essverhalten erkennen. Nach dem Verbot spezieller Diabetiker-Lebensmittel konsumieren Betroffene zwar die gleichen Produkte wie jeder andere. „Aber gezielter, berechnender, weniger“, betont Hamann. Das Leben mit Diabetes verlange Selbstdisziplin. „Ich kriege immer wieder Einladungen zu Kohlfahrten, wo getrunken und geraucht wird“, schildert er. Beides darf Dieter Hamann nicht. Ernüchtert sagt er: „Ich habe keine dieser Einladungen angenommen.“ Unangenehm werde es auch bei gesellschaftlichen Buffets. Da komme er ständig in Erklärungsnöte.
Trotz seiner Krankheit arbeitet der schwerbehinderte Senior jede Nacht einige Stunden im Sicherheitsdienst, kontrolliert dabei die Wildeshauser Straßen mit dem Auto. Zudem engagiert er sich für Diabetespatienten – vor allem ältere Menschen und Kinder. Jahrelang habe er die Kinder-Universitätsklinik und das Sternchenhaus für Leukämiekinder in Ulm ehrenamtlich mitbetreut. Jungen Menschen seine Erfahrungen zu vermitteln, sei ihm wichtig. „Wir müssen Kinder und Jugendliche schulen, professionell mit Diabetes umzugehen. Dafür müssen sie Spielregeln einhalten“, fordert er energisch. Die Arbeit mit den jungen Menschen sei toll, „weil sie offen und aufnahmefähig sind“.
Für die Zukunft wünscht sich Dieter Hamann, dass die Patienten besser versorgt würden. „Zu viele junge Ärzte wandern ins Ausland ab, weil sie dort besser bezahlt werden“, kritisiert er. Auch im Landkreis gebe es zu wenige Diabetologen.
Der Diabetes mellitus ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen in den westlichen Industrienationen.
Am 11. Januar 1922 ist erstmals ein Diabetiker mit Insulin behandelt worden. Es war der 14-jährige Leonard Thompson, der im Dezember 1921 schwerkrank in das Toronto General Hospital eingeliefert wurde. Eine Injektion von Insulin verbesserte seinen Zustand schlagartig.
Für ihre Entdeckung erhielten die Ärzte Frederick Banting und John Macleod später den Nobelpreis.
In Europa leben schätzungsweise knapp 50 Millionen Diabetiker. Weltweit sind derzeit etwa 246 Millionen Menschen von der Stoffwechselerkrankung betroffen.
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