Fragmente der Burg entdeckt
Archäologie Verbindung Vechtas zur Hanse vermutet - 300 000 Euro Kosten
von Eike Wahls
Vechta - Funde von großem historischen Wert sind jetzt im Rahmen der Baumaßnahmen Tiefgarage Marienstraße/Kapitelplatz in Vechta entdeckt worden. Aufgrund des feuchten Bodens sind zahlreiche Holzkonstruktionen des 13. und 14. Jahrhunderts erhalten.
Spektakulär sind dabei die in der Nordwestecke des Kapitelplatzes zutage getretene Mauerverstürze und ein massiver Pfostenunterbau. Sie seien Zeuge der Spätzeit der Vechtaer Burg, so Archäologe Falk Näth. Diese wurde wahrscheinlich unter Benno II (1020 bis 1088) errichtet und nach einem Dekret des Kurfürsten Max Heinrich von 1684 zu Gunsten einer Materialpender der Zitadelle abgerissen.
Außerdem wurde eine Ringfibel mit hanseatischer Hand-Symbolik gefunden, die mit einem Dienstmänner-Geschlecht im Bereich der heutigen Klosterkirche in Verbindung gebracht werden kann. Wie weit die Verbindungen zur Hanse reichten, werde zur Zeit untersucht, so Näth.
Der Schwerpunkt der Untersuchungen liege auf einer fotografischen Dokumentation in Verbindung mit tachymetrischer Aufmessung („Schnellmessung der Erdoberfläche“). So bestimme man sowohl die Lage und Höhe der Befunde als auch Details und Struktur. Bis jetzt konnten mehr als 150 Befunde festgehalten werden. Einmalig von der Erhaltung sei dabei eine Hakenbüchse des beginnenden 15. Jahrhunderts. Dabei handele es sich um ein Verteidigungsgewehr von 1,30 Meter Länge und 30 Kilo Gewicht. Auch ein Wasserbär (mittelalterliche Anlage zur Wasserhaltung und -umleitung) wurde entdeckt.
Um einen Baustopp von ein bis zwei Jahren zu verhindern, der sich durch Archäologen des Landes ergäbe, habe die Stadt Vechta die Forschungen selbst in die Hand genommen. Dadurch sei eine baubegleitende Forschung möglich. Das Freilegen der Fundstücke könne nur gemeinsam mit den Baufirmen erfolgen; dafür sei stets mindestens eine der acht Fachkräfte als Ansprechpartner vor Ort, so Falk weiter. Bürgermeister Uwe Bartels betonte, dass die Kosten von rund 300 000 Euro im Verwaltungsausschuss einstimmig beschlossen worden seien. Unter dem Strich überwiege trotz der hohen Kosten die Freude an den Funden.
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