„Shöw mit Ö!“ – Comedy mit Tiefgang
Unterhaltung Entwaffnende Offenheit – Ein Abend mit Özgür Cebe in der Aula der Universität Vechta
Multitalent: Özgür Cebe lockte das Publikum in der Vechtaer Universitätsaula aus der Reserve. BILD: Christoph Floren 
von Christoph Floren
Vechta - Ethno-Pop, ein interaktiver Crashkurs „Türkisch für Deutsche“ und Comedy mit Hang zum Kabarett, Talent als Shakespeare-Rezitator, der Hamlet „live rüberbringt“: Das und noch viel mehr hat Özgür Cebe am Mittwochabend einem gut 250-köpfigen, sicherlich zu 95 Prozent studentischen Publikum mit dem Soloprogramm „Shöw mit Ö!“ präsentiert.
Vielseitigkeit überzeugt
90 Minuten, unterbrochen nur von einer Erfrischungspause, die zweifellos eher die Besucher als der Entertainer brauchten, schlüpfte der aus Bielefeld gebürtige Gast in die verschiedensten Rollen. Ob als nahezu perfekt sächselnder Englischlehrer „I see black for you!“, mit seinem ganz persönlichen Casting-Format „Deutschland sucht den Supertürken“, als Kaufhausdetektiv, der von Erlebnissen mit dem Russlandaussiedler „Wladimir“ berichtet, als feinsinniger Dichter oder durch seine Verurteilung von jedweder Art von Fanatismus und Rassismus: Cebe nahm kein Blatt vor den Mund und bediente fast jedes Klischee.
Freiheit als Kabarettist
So zog er gnadenlos über die große Politik, etwa die Auftritte des Alleinunterhalters Guido Westerwelle auf dem internationalen Parkett, her. Oder er warf ein kabarettistisches Auge auf die Zündstoffe, die ihm die Hochkultur der deutschen Schlagerszene bot: „Tausendmal berührt, und noch immer nicht explodiert“, so sein verbaler Seitenhieb auf den Sprengstoffgürtel eines fiktiven Terroristen.
Als bekennender Agnostiker ging der Entertainer auf Distanz zu religiösen Eiferern. Ganz gleich, ob sie versuchen, ihre Lehren unter der Fahne des Christen- oder des Judentums beziehungsweise des Islam zu vertreten. So sparte Cebe auch die Mullahs im Iran oder in Afghanistan nicht aus. Weil er einen muslimisch geprägten Hintergrund hat, durfte er sich auf der Bühne so äußern. Oder er nahm sich die kabarettistische Freiheit.
Am Rande der Vorstellung fiel Özgür Cebe nicht wirklich auf, schwarzes T-Shirt, Jeans, Sportschuhe. Vorab bat der ausgebildete Schauspieler lediglich um ein Glas Wasser: „Leitungswasser tut es auch.“ Nach dem Schlussapplaus hatte er Zeit für Erinnerungsfotos – wie selbstverständlich.
NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv
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