BERNE, 9. November 2011


Nichts erinnert an alte Synagoge

Reichspogromnacht 73. Jahrestag am 9. November – Ritualgegenstände verbrannt


Das ehemalige jüdische Gotteshaus liegt an der Langen Straße. Eingeweiht worden war es im August 1840.

von Marius Meyer Und Friederike Liebscher

Berne - Davon, dass das Haus an der Langen Straße in Berne einmal eine Synagoge beherbergt hat, ist nichts mehr zu erkennen. Das zweistöckige, weiße Gebäude ist heute ein ganz normales Wohnhaus. Es sieht ganz anders aus als das jüdische Gotteshaus, das auf alten Fotos zu sehen ist. Der Vordereingang, der von angedeuteten Säulen umrahmt war, ist an die Seite verlegt worden. Das halbrunde Fenster, dass sich über der Tür befunden hatte, ist verschwunden.

Die Synagoge war im August 1840 eingeweiht worden. Der Oldenburger Landesrabbiner Samson Raphael Hirsch führte die Zeremonie durch. Er war es auch gewesen, der die jüdische Gemeinde in Berne einige Jahre zuvor ermahnt hatte, eine Synagoge einzurichten. Den vorherigen Betraum, der sich im Haus eines Gemeindemitgliedes befunden hatte, empfand er als zu klein.

Das Gebäude überstand die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der im gesamten Deutschen Reich Synagogen zerstört wurden. Es war einige Monate zuvor verkauft worden. Unter dem Druck, der ab 1933 auf die Juden im Deutschen Reich ausgeübt wurde, waren einige Mitglieder der kleinen jüdischen Gemeinde fortgezogen.

14 Juden lebten 1933 in Berne, einige konnten sich ins Ausland retten. Sieben jüdische Menschen, die in Berne geboren waren oder längere Zeit in dem Ort lebten, kamen in der Nazizeit um. Die jüdische Gemeinde hörte faktisch 1937 auf zu existieren. Allerdings befanden sich noch Ritualgegenstände in dem Haus. SA-Trupps holten sie am 9. November 1938 heraus, brachten sie zu einem Sportplatz und verbrannten sie.

Inge Bober, deren Eltern in der Nähe der Synagoge eine Fleischerei betrieben, über der die Familie auch wohnte, weiß noch einen anderen Grund, warum die Nazis das jüdische Gotteshaus nicht anzündeten: „Nach dem Krieg wurde erzählt, dass das Haus nicht abgebrannt worden ist, weil direkt daneben eine Mühle stand“, berichtet die heute 79-Jährige. Man habe Angst gehabt, dass die Mühle mit abbrennen könne.

Lange stand die ehemalige Synagoge leer. Familie Jonuscheit kaufte das Haus 1955. Die Säulen und Ornamente waren zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden, berichtet Ulf Jonuscheit. „Man musste mehr als 80 Prozent des Hauses abbrechen, weil es verfallen war“, sagte er.

Dass nichts an die Synagoge erinnert, findet Diether Liedtke, SPD-Ratsherr, schade. Er fordert, dass an dem Haus eine Gedenktafel angebracht wird. Bereits im Jahr 2006 habe er einen entsprechenden Antrag im Berner Rat gestellt. „Die Oldenburgische Landschaft hatte schon zugesichert die Kosten zu übernehmen“, sagt er. Heute wohnt in der ehemaligen Synagoge Familie Spille, der das Gebäude seit 2007 gehört. Brigitte Spille meint: „Gegen eine kleine Gedenkplatte haben wir nichts einzuwenden.“

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