Teamtreffen bei heißem Tee
Entwässerungsverband Thammo Wenke gibt Vorsitz nach 15 Jahren ab
von Friederike Liebscher
Berne - Nach 15 Jahren haben sie ein gutes Timing: Wenn Jürgen Busch morgens um halb acht zur Küchentür hereinkommt, gießt Thammo Wenke schon den heißen Tee ein. Dann setzen sich die beiden zur Lagebesprechung an den gemütlichen Tisch im Esszimmer.
Zu klären gibt es immer etwas. Denn das Gebiet, das der Vorsteher des Entwässerungsverbandes Stedingen und sein Verbandstechniker im Auge behalten müssen, ist riesig. Weit über den Landkreis Wesermarsch hinaus ist der Entwässerungsverband für 22 000 Hektar Land verantwortlich. 400 Kilometer Gewässer gehören dazu.
Der Verband hat nicht nur die Aufgabe, das Land zu entwässern. Es muss im Sommer auch Wasser zugeführt werden. Das ist wichtig für die Landwirtschaft.
Alle im Einzugsgebiet zufriedenzustellen ist aber nicht immer eine leichte Aufgabe für Wenke und Busch. Sie versuchen es trotzdem. „Am Stedinger Kanal hängt in der Woche der Motzener Kanal. Am Wochenende geht das Wasser dann in die Berne, für den Wassersport der Vereine.“
Gutes Team
Das Verbandsgebiet umfasst sehr verschiedene Landstriche. In den Moorgebieten liegen die Flächen weit unter Normal Null (NN). Das Gebiet am Braker Sand in Kirchhatten liegt 46 Meter über NN. Auch in Lemwerder liegen manche Abschnitte höher als in Berne. Das Wasser muss in allen Gebieten bestmöglich verteilt werden. Ist es im Moor noch nass, ist es Manchem in den höheren Lagen vielleicht schon zu trocken.
Thammo Wenke kennt im Verbandsgebiet jeden Graben. Er hat in seiner Amtszeit einen völlig anderen Blick auf das Wasser bekommen. „Früher habe ich da auch nur so draufgeguckt“, gibt er zu. Das ist schon lange nicht mehr so.
„Wir sind ein gutes Team“, bestätigt Techniker Jürgen Busch. Beide bedauern, dass ihre lange Zusammenarbeit nun endet. Denn der 68-jährige Wenke wird den Vorsitz des Verbandes zum 31. März abgeben. Ein Nachfolger ist noch nicht offiziell gewählt. Das wird der Verbandsausschuss im März tun. Der neue Vorsteher übernimmt einen gesunden Verband, sagt Thammo Wenke. Drei hauptamtliche und acht nebenamtliche Mitarbeiter sind dort beschäftigt.
Eine große Aufgabe sieht Wenke in den nächsten Jahren auf seinen Nachfolger zukommen: „Die Weser fließt immer schneller und der Meeresspiegel steigt. Das Schöpfwerk Motzen ist aus dem Jahr 1958 und auf diese Verhältnisse nicht ausgelegt. Die Tore halten dem Staudruck auf Dauer nicht stand“, erklärt der 68-Jährige. Der Tidenhub in der Weser habe sich in diesem Zeitraum stetig nachteilig erhöht. Heute seien es vier Meter. „Die Pumpen müssen gegen die höheren Wasserstände anarbeiten. Das kostet viel Energie und die Pumpleistung wird geringer“, erklärt Jürgen Busch. Auch am größten Schöpferwerk des Verbandes, am Lichtenberger Siel, steht in nicht allzu ferner Zeit eine Erneuerung der Tore an.
Regelung über Funk
Verbandstechniker Jürgen Busch hat sein Büro gleich gegenüber vom Schöpfwerk Motzen. Von dort aus kann er am Computer die Pegelstände im Verbandsgebiet kontrollieren und über Funk regulieren. „Auf diese Weise können wir sehr schnell reagieren, wenn das Wasser steigt“, erklärt er. Aber auch zum Haus von Thammo Wenke ist es von seinem Büro aus nicht weit.
Ihre gemeinsame Lagebesprechung werden Thammo Wenke und Jürgen Busch deshalb nicht sofort auf Eis legen. „Wir trinken dann einfach so gemeinsam einen Tee.“ Einen großen Teil seiner neuen Freizeit möchte Wenke außerdem der Reiterei widmen.
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