Jan Müller: „Das hat uns völlig schockiert“
Schifffahrt Nur 2 Millionen Euro für Weservertiefung im Etatentwurf des Ministeriums – Nötig ist das Zehnfache
Für den Hafen führt an der Weservertiefung kein Weg vorbei. Sonst hat Brake bei Ausschreibungen immer wieder das Nachsehen. BILD: Detlef Glückselig 
von Detlef Glückselig
Brake - Jan Müller, Geschäftsführer der Braker J. Müller Gruppe, mahnt sie bei jeder Gelegenheit an. Und als am 9. April dieses Jahres der symbolische erste Rammschlag für den Bau des zweiten Liegeplatzes am Niedersachsenkai gefeiert wurde, betonte auch der Niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), dass an der geplanten Weservertiefung kein Weg vorbei führe. Doch jetzt steht hinter diesem Projekt offenbar ein Fragezeichen.
20 Millionen Euro sind für die Anpassung der Weser auf dem Abschnitt von Bremerhaven bis Bremen erforderlich. Im Etatentwurf des Bundesverkehrsministeriums sind für 2011 jedoch nur 2 Millionen Euro vorgesehen.
„Die Nachricht hat uns völlig schockiert“, sagte am Mittwoch Jan Müller. Die Interessenverbände der Hafenwirtschaft seien bereits aktiv geworden und hätten sich an das Verkehrsministerium gewandt. Dort hieß es nach Auskunft von Jan Müller, dass eine so genannte gegenseitige Deckungsfähigkeit gegeben sei. Das bedeutet: Für die Anpassung der Weser könnten über die 2 Millionen Euro hinaus Haushaltsmittel verwendet werden, die für andere Projekte nicht benötigt oder dort abgezwackt werden.
Das bezeichnet Jan Müller aber als „nicht befriedigend“. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass der Haushaltstitel „Weservertiefung“ nicht mit dem dafür erforderlichen Geld ausgestattet wird. Schließlich, so Jan Müller, werde die Anpassung der Weser im Verkehrswegebeschleunigungsgesetz als eines der zehn wichtigsten Projekte in ganz Deutschland geführt.
Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, wiegelt unterdessen ab: Die zwei Millionen Euro im Etatentwurf seien nur ein „Merkposten“. Ferlemann weiter: „Wenn es soweit ist, werden die nötigen Kosten gedeckt.“
Für Brake ist die geplante Vertiefung von 11,90 auf 12,80 Meter nach Darstellung Müllers eine entscheidende Maßnahme, damit auch voll beladene Schiffe der Panmax-Klasse den Hafen tideunabhängig anlaufen und wieder verlassen können. Bei der derzeitigen Tiefe ist das nicht möglich. Vor allem im Bereich des Im- und Exports von Getreide gingen dem Braker Hafen dadurch mehrere 100 000 Tonnen Umschlagsvolumen pro Jahr verloren, so Müller.
Als ein Beispiel nennt der Chef der J. Müller Gruppe den Weizen-Export nach Saudi-Arabien, für den Schiffe mit einer Tiefe von 12,40 bis 12,80 Metern eingesetzt würden. Sind die Laderäume gefüllt mit 50 000 Tonnen Getreide, können diese Schiffe den Braker Hafen nicht mehr tideunabhängig verlassen. Jan Müller: „Dadurch verlieren wir bei Ausschreibungen.“
Die geplante Weservertiefung hat eine inzwischen fast zehnjährige Vorgeschichte. Das Verfahren ist inzwischen so weit gediehen, dass noch im Herbst die Planfeststellung erfolgen soll. Darauf zumindest hofft Jan Müller, der zugleich von den Ländern Niedersachsen und Bremen erwartet, dass sie möglichst zügig ihr nötiges Einvernehmen erklären.
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