„Jeder hofft, dass so etwas nicht passiert“
Ehrenamt DRK-Mitglied Stefan Gloystein (40) engagiert sich im Katastrophenschutz der Wesermarsch
von Elena Grawe
Brake - Am Gürtel von Stefan Gloystein hängt der kleine Pieper. Der, der immer dann losgeht, wenn der Rettungswagen vom Braker Krankenhaus bereits im Einsatz ist und bei Notfällen deswegen das Rote Kreuz (DRK) einspringen muss. Gloystein ist ehrenamtlicher Rettungssanitäter beim Braker DRK. Aber das ist nicht alles: Der 40-Jährige gehört auch zur Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des DRK in der Wesermarsch. Diese wird bei sogenannten „Großschadensereignissen“ oder im Katastrophenfall aktiv.
Schwere Verkehrsunfälle mit mehreren Verletzten, ein Brand in einem Seniorenzentrum mit vielen Betroffenen oder eine Naturkatastrophe wären drei Beispiele, wo die SEG tätig werden würde. Auch in die Alarmierungskette für den Wesertunnel sei die Truppe eingebunden, erklärt Gloystein. Bisher hatte er Glück: keine Einsätze dieser Art. „Wir sind gewappnet – aber natürlich hofft jeder, dass so etwas nicht passiert“, sagt der Braker.
Regelmäßige Übungen
Im Extremfall würden die Mitglieder die erste Versorgung der Verletzten vor Ort übernehmen oder zum Beispiel die Verteilung auf umliegende Krankenhäuser koordinieren. Regelmäßig üben sie dafür auch den Aufbau eines Versorgungszelts – in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) Nordenham, das für die Infrastruktur zuständig ist – also dafür sorgt, dass zum Beispiel Strom ins Zelt kommt und die Beleuchtung funktioniert. „Damit haben wir die Hände frei für unsere eigentliche Arbeit“, erklärt Gloystein – die Verletzten zu versorgen eben. Er fügt bescheiden hinzu: „Eigentlich sind das die ganz normalen Aufgaben, die wir sowieso machen. Das ist kein großer Unterschied zu sonst.“
Seit 30 Jahren ist er Mitglied im DRK Brake, seit rund 15 Jahren Rettungssanitäter. Über die Bereitschaft ist er auch in den Katastrophenschutz reingerutscht. „Mit zehn Jahren bin ich zum Jugendrotkreuz gekommen“, erinnert sich Gloystein an den Start. „Damals ging es ja mehr um Sport, Spiel, Freizeit – die Erste Hilfe war eher nebenbei.“ Er sei dann langsam immer mehr eingestiegen – ganz automatisch durch die Mitarbeit, erzählt Gloystein, der eigentlich als Systemadministrator in Oldenburg arbeitet.
Einsatztaktik
Im Katastrophenschutz ist Gloystein zudem außerhalb der SEG aktiv, nämlich in der technischen Einsatzleitung des Landkreises. „Im Bedarfsfall wechsel ich die Seiten“, scherzt er. Einsatztaktik und Koordinierung der Abläufe würden dann zu seinen Aufgaben gehören. In regelmäßigen Übungen und Planspielen wird geübt. „Für welche Szenarien braucht man was für Kräfte und wie geht man daran?“, erklärt er.
Was ihm an dieser Art der ehrenamtlichen Arbeit gefällt? „Die Möglichkeit, anderen Leuten helfen zu können“, sagt er. „Das ist eigentlich der Grund, das nach 30 Jahren immer noch zu machen. Und deswegen habe ich das auch nie bereut.“ Und nicht zu vergessen: die „tolle Gemeinschaft“ im DRK.
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