BRAKE, 9. Februar 2012


Brake: Taucher flickt Leck im Schiffsboden

Hafen – Teddy spendet Trost in eiskalter Nacht - Frau und Kind mit Schlepper „Arion“ von Bord geholt


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Ein Berufstaucher einer Firma aus Oberhausen stieg am Mittwochnachmittag in den eisigen Binnenhafen, um das Loch im Schiffsboden provisorisch zu stopfen. BILDER: Detlef Glückselig/Raimund Zimmermann  Bild vergrößern

Das Loch im Boden der „Smaragd“ hatte nur den Durchmesser eines Fingers. Trotzdem drangen in kurzer Zeit über zehn Kubikmeter Wasser ein.

von Detlef Glückselig

Brake - Jacobus Rotmans hat in der Nacht kein Auge zugemacht. Seine Hände sind ölverschmiert. „Und ich fühle mich, als wenn mich ein Lkw überrollt hätte“, sagt der 43-jährige Holländer.

Rotmans ist der Eigner und Führer des 80 Meter langen und 9,20 Meter breiten Binnenschiffs „Smaragd“, das am Dienstagabend an der Südpier zu sinken drohte, nachdem Wasser in großen Mengen in die Bilge eingedrungen war. Ein Leck mit dem Durchmesser von gerade mal einem Finger – vermutlich vom Eis in den Schiffsboden geschlagen – löste einen Großeinsatz von Feuerwehr, Schlepperbesatzungen, N-Ports-Mitarbeitern und Wasserschutzpolizei aus.

Die „Smaragd“ hatte von Bremerhaven aus Brake angesteuert, um Futtermittel zu laden. Gegen 19 Uhr schrillte am Dienstag im Maschinenraum plötzlich die Alarmglocke. Petra Rotmans (32) verständigte eilig ihren Mann. Jacobus Rotmans hastete in den Maschinenraum und stellte sofort fest, dass das Schiff ohne Hilfe zu sinken drohte. „Die Bilge war schon vollgelaufen, das Wasser stand bis zu den Bodenblechen“, berichtet der 43-Jährige. Er alarmierte umgehend die Hafenbehörde. Wenig später waren die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot vor Ort.



Erheblich erschwert wurde der Einsatz nach Auskunft von Hafenkapitän Markus Brüggemann sowie Bernd Kempendorf, Ortsbrandmeister der Wehr Hafenstraße, durch den starken Eisgang auf der Weser und die Tatsache, dass gerade Niedrigwasser war. Die „Smaragd“ lag laut Kempendorf zunächst rund sechs Meter unter der Pier-Kante und war von dieser zudem durch einen etwa vier Meter breiten Eisgürtel getrennt. Das bedeutete: Keiner konnte von Bord. „Am Anfang hatten wir Panik. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas in 28 Jahren Seefahrt erlebt habe“, sagt Jacobus Rotmans.

Während sich die Feuerwehrleute zunächst über Leitern und später mit Hilfe eines Mobilkrans, der sich zufällig an der Pier befand, sowie eines Personenkorbs Zugang an Bord verschafften, setzte die Hafenbehörde die beiden Schlepper „Arion“ und „Berne“ ein. Diese konnten sich dem Schiff von der Wasserseite wegen des Eises aber nur sehr vorsichtig nähern. Entsprechend zog sich der Einsatz hin.


Kran eingesetzt
Während es den Einsatzkräften auf der „Smaragd“ gelang, eine Tauchpumpe in der Bilge zu installieren und zumindest den Teil des Wassers zu lenzen, der nicht bereits mit Öl vermischt war, nahm die „Arion“ Petra Rotmans und den vierjährigen Sohn Heiko an Bord, um sie an Land zu bringen. Im Pierbüro wurden sie mit Kaffee und Apfelschorle versorgt. Heiko erhielt von den Feuerwehrleuten zudem einen Teddy, den diese für solche Fälle stets an Bord haben. Das Stofftier spendete dem Jungen ein wenig Trost in dieser eiskalten und dramatischen Nacht.

Im Hafen ging derweil der Einsatz weiter. Gegen Mitternacht war alles so weit, dass die „Smaragd“ mit Hilfe des Hafenschleppers „Braksiel“ in den Binnenhafen verholt werden konnte. Auch hier war wegen des Eises schon beim Öffnen der Schleusentore äußerste Vorsicht geboten.

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Ein Berufstaucher einer Spezialfirma aus Oberhausen stieg am Mittwochnachmittag in das eisige Wasser des Binnenhafens, um das Leck mit einem stählernen Stopfen, den er mit dem Schiffsboden verbolzte, provisorisch zu flicken. Wie es nun weitergeht für die Rotmans, müssen die Behörden und die Versicherung entscheiden.


Große Sorgen
Jacobus Rotmans hofft, so bald wie möglich das nächste Ziel, Bremen, ansteuern zu können. Die im Jahr 1930 gebaute, 1964 zum Motorschiff umgerüstete und erst 1990 mit einem neuen Boden versehene „Smaragd“ wird in die Werft müssen. Rotmans bereitet das große Sorgen. Die Zeiten seien ohnehin hart für Binnenschiffer, sagt er. Eine teure Reparatur kann sich der Holländer, der seit sechs Jahren Eigner der „Smaragd“ ist, kaum leisten.




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