Schuld soll genommen werden
Hilfe Fachstelle bietet Sprechstunde für Kinder aus Suchtfamilien an
Bieten Sprechstunde an: Psychologin Monika Müller-Preiß (links) und Fachstellenleiterin Birthe Voß wollen Kinder aus Suchtfamilien BILD: Martin Thaler 
von Martin Thaler
Brake - „Jedes sechste Kind in Deutschland stammt aus einer Familie, in der zumindest ein Elternteil suchtkrank ist. Das sind insgesamt 2,6 Millionen Kinder“, macht Birthe Voß, Leiterin der Fachstelle Sucht in Brake, deutlich. Eine Problematik, die der breiten Öffentlichkeit immer noch weitgehend unbekannt ist. „Die Sucht der Eltern ist für die Kinder immer auch mit Scham behaftet. Viele fühlen sich selbst schuldig für den Zustand ihrer Eltern“, erklärt Fachstellen-Psychologin Monika Müller-Preiß. Die Probleme blieben folglich in den Familien.
Ein Zustand, der sich nun ändern soll. „Wir wollen die Thematik stärker im öffentlichen Bewusstsein verankern. Die Leute sollen animiert werden, Kinder aus solchen Familien zu unterstützen“, so Bir-the Voß. Aus diesem Grunde nimmt die Fachstelle Sucht an der dritten bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien teil, die in der Zeit vom 12. bis 18. Februar stattfinden wird. Geplant ist am Mittwoch, 15. Februar, von 14.30 bis 16 Uhr eine offene Sprechstunde für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Räumlichkeiten der Fachstelle in der Bürgermeister-Müller-Straße 9. Auch telefonisch (Telefon 4717) kann man sich melden.
„Die betroffenen Kinder sind oftmals auf sich allein gestellt, da die Eltern vorrangig mit ihrer Sucht zu kämpfen haben. Sie müssen sehr früh selbst Verantwortung übernehmen und sind damit teils überlastet“, erklärt Monika Müller-Preiß. Die Folgen dieser Überlastung, beispielsweise ein erhöhtes eigenes Suchtrisiko, zeigten sich allerdings häufig erst im Erwachsenenalter.
„Man muss den Kindern das Gefühl der Schuld und die daraus resultierende Scham nehmen“, versucht Monika Müller-Preiß eine Lösung zu skizzieren. Die Kinder könnten so ermutigt werden, sich anderen gegenüber zu öffnen und sich letztlich Hilfe und Entlastung von außen, etwa durch Verwandte, Freunde oder Lehrer, zu suchen. Als erster Schritt auf diesem Weg soll die Sprechstunde dienen. Und allen Hilfesuchenden soll gesagt sein: „Es muss nicht bei einem Treffen bleiben“, betont Birthe Voß.
@ Hilfsangebote gibt es auch unter http://www.kidkit.de
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