Wild, romantisch und gefährlich
Kleinkunst Zum Valentinstag singt Nagelritz Ringelnatz
von Detlef Glückselig
Brake - „An Land wirst du nie ein Seemann“ sagt Hinnerk, Nagelritz’ bester Freund, mit dem er schon mehr als zwei Jahrzehnten unterwegs ist. Seine Heimat Gelsenkirchen hat er früh verlassen, um zur See zu fahren, und ohne Hinnerk hätte er das wohl nie geschafft. Nicht nur mit Seekrankheit, Heimweh und Sehnsucht nach Mutti fertig zu werden, hat er von Hinnerk gelernt, sondern auch, wie man mit Frauen umgehen muss. Und wie man Schifferklavier spielt und warum man trinkt. Eigentlich schmeckt das Zeug abscheulich, aber „wer singt, muss auch trinken, und Tränen verwässern den Schnaps“, sagt Hinnerk.
Seelenverwandtschaft
Die sehnsüchtigen bis frivolen Liedtexte von Nagelritz alias Dirk Langer stammen von Joachim Ringelnatz. Vertont und begleitet auf dem maritim verstimmten Schifferklavier und mit rumverwöhnter Stimme werden sie von Nagelritz vorgetragen. Da zeigt sich eine tiefe Seelenverwandtschaft, zu sehen in seinen Augen und zu hören, wenn er die Texte des großen deutschen Lyrikers singt.
Genau das Richtige zum Valentinstag? Auf jeden Fall, meint Dr. Christine Keitsch, Leiterin des Schiffahrtsmuseums. Für Dienstag, 14. Februar, lädt sie in Haus Borgstede & Becker ein. Ab 19.30 Uhr ist der Bremer Schauspieler Dirk Langer dort zu Gast. „Nagelritz singt Ringelnatz“, lautet der Titel seines Programms.
Karten für diesen besonderen maritimen Abend, der von der Kulturförderung Brake unterstützt wird, gibt es im Vorverkauf für 12 Euro im Schiffahrtsmuseum sowie in der Buchhandlung Gollenstede. An der Abendkasse werden 15 Euro fällig.
Liebe zur Seefahrt
Weisheiten aus der Flasche, haarsträubende Geschichten vom stürmischen Alltag auf hoher See – wenn Dirk Langer sie präsentiert, wird alles romantisch, wild und gefährlich. „Nach zwei Stunden Geschichten über Fern- und Heimweh und dem letzten gemeinsam gesungenen Lied ,Far away’ würden einige Zuschauer bestimmt sofort auf dem nächsten Dampfer anheuern“, urteilte die Hamburger „Morgenpost“ über einen Auftritt Langers.
Der Bremer, von Haus aus studierter Germanist, entdeckte früh seine Liebe für die Seefahrt und seine Leidenschaft für Joachim Ringelnatz. Seit einigen Jahren ist er als „Nagelritz“ erfolgreich – und mittlerweile mit diversen Kleinkunst-Preisen versehen – auf deutschen Bühnen unterwegs.
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