BUTJADINGEN, 26. Oktober 2006


Ein rollendes Postamt auf Schienen

SERIE  Die Butjadinger Bahn transportierte von 1908 bis 1951 auch Briefe und Pakete


Butjadingen - 1951 wurde die Bahnpost aufgegeben. Eine wichtige Einnahmequelle ging verloren.

von henning bielefeld

BUTJADINGEN - Mehr als vier Jahrzehnte lang war die Butjadinger Bahn auch ein Postamt auf Schienen. Mit diesem ganz besonderen Kapitel Bahn-Geschichte befasst sich der Stollhammer Dieter Jacobs. Der ehemalige Inhaber eines Fachbetriebs für die Verlegung von Parkettfußböden nutzt seinen Ruhestand, um die Postgeschichte seines Heimatdorfes zu recherchieren. Und dazu gehört auch die Bahnpost.

„In den Zügen war ein Abteil eingerichtet, in dem Postschaffner saßen“, sagt der 69-Jährige. Schon von Beginn an gehörte die Beförderung von Postsendungen zu den Aufgaben der Butjadinger Bahn. Als Autos noch seltene Erscheinungen waren, konnten Briefe und Pakete kaum schneller transportiert werden. Dafür standen drei Post- und Gepäckwagen und der 1927 angeschaffte Triebwagen-Anhänger zur Verfügung.

In den Abteilen waren Sortierfächer eingerichtet. Hier bearbeitete ein Postschaffner unterwegs unter spartanischen Bedingungen die Sendungen. Es gab einen Arbeitstisch mit Hocker, im Winter wurde ein kleiner Kanonenofen mit Kohle vom Tender der Dampflok beheizt.

An den größeren Stationen wurde die Post von den örtlichen Postbeamten angenommen, in Moorsee, Mitteldeich und Langwarden waren private Postagenten mit diesem Geschäft betraut worden. Doch ob Beamter oder Geschäftsmann: Beide mussten die Sendungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Empfänger bringen.

Dort holten sie auch deren Postsendungen ab und brachten sie zum Bahnhof. Mehrere Male am Tag wurde so Post in die Dörfer gebracht oder von dort abgeholt. Das war ein großer Fortschritt: Butjadingen war auch durch die Bahnpost mit der Welt verbunden. „Es sind auch Wertpakete und Geldsendungen – beispielsweise von Viehhändlern – mit der Butjadinger Bahn transportiert worden“, sagt Dieter Jacobs.

Bei seinen Recherchen hat der Stollhammer herausgefunden, dass die Butjadinger Bahn mehr Post von Butjadingen nach Nordenham transportiert hat als umgekehrt. „Für diese Transporte gab es einen besonderen Bahnstempel“, erzählt der passionierte Postgeschichtler weiter. „Er war zunächst rund und wurde Anfang der Dreißigerjahre durch einen ovalen Stempel ersetzt.“

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Schon im Februar 1930 wurden Pläne der Reichspost bekannt, die Zustellung im Amt Butjadingen auf Kraftverkehr umzustellen. Das Amt protestierte heftig: Die defizitäre Bahn sei auf die Einnahmen aus dem rollenden Postamt angewiesen und habe doch den Anforderungen der Post stets genügt. Der Protest war erfolgreich und so blieb das Postamt auf Schienen erhalten – noch mehr als 20 Jahre lang.

Doch dann kam die neue Bundespost zu der Auffassung, sie könne sich besser um den Transport der Sendungen nach Butjadingen kümmern als die Kleinbahn. Und sie stellte es geschickt an, die unpopuläre Neuerung einzuführen: Während sich Politiker und Verwaltung um den Sommerfahrplan 1951 stritten, der mit dem Kraftfverkehr Wesermarsch von Arthur Lückemeyer abgestimmt werden musste, wurde die Post für die Bezirke Abbehausen, Stollhamm und Langwarden auf die Kraftpost umgestellt. Am 19. Mai 1951 transportierte die Butjadinger Bahn zum letzten Mal Post. Eine wichtige Einnahmequelle brach weg.




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