Endstation in einer dicken Schneedüne
BUTJADINGER BAHN Nachkriegs-Winter 1953 stoppt den Triebwagen bei Tossens
Ein Triebwagen der Butjadinger Bahn wie dieser auf dem historischen Foto blieb am 9. Februar 1953 bei Tossens im Schnee stecken. BILD: GERD PARADIES 
VON HENNING BIELEFELD
Tossens - Die Butjadinger Bahn war kein besonders schnelles, aber ein sicheres und zuverlässiges Verkehrsmittel – selbst im tiefsten Winter. Nur einmal blieb sie in einer Schneeverwehung stecken – bei einem ähnlichen Wetter wie in den vergangenen Tagen.
Schnee und Ostwind
Das hat Rolf Gerdes recherchiert, der Sohn des früheren Stollhammer Bahnhofswirts Heinz Gerdes. Es war vor 57 Jahren, als sich im flachen Butjadinger Land bei minus sechs Grad und scharfem Ostwind überfrorene Schneedünen bildeten, die der WUMAG-Triebwagen mit seinen zwei Motoren zu je 135 PS und seinem Gewicht von 20,7 Tonnen nicht mehr durchfahren konnte. Und so war am 9. Februar 1953 frühmorgens um 7 Uhr eine Schneedüne bei Tossens die vorläufige Endstation für den Zug Nummer 3 von Eckwarderhörne nach Nordenham.
Mit einem Ruck kam der Zug auf freier Fläche zum Stehen. „Vermutlich hat Triebwagenführer Kröger die Höhe der Schneedüne im Halbdunkel unterschätzt oder zu spät erkannt“, sagt Rolf Gerdes.
Kröger rief bei der Betriebsleitung an der Müllerstraße 40 in Nordenham an. Die schickte den in Eckwarden stehenden zweiten Triebwagen der kreiseigenen Bahn, einen vierachsigen DWK-Wagen, zu Hilfe. Der schleppte den festgefahrenen Zug zurück nach Eckwarden. Arbeiter der Bahn schaufelten das Gleis frei, und der Betrieb konnte wieder aufgenommen werden.
Nur ein klägliches Quieken
Schneepflüge und Schneefräsen, sagt Rolf Gerdes, gab es bei der Butjadinger Bahn nicht. Im Zweifelsfall mussten die Bediensteten selbst das Gleis mit der Schaufel freiräumen. Dafür gab es keine vereisten Weichen, denn gut gefettete Gleitstühle verhinderten, dass die Weichenzungen festfroren. Zudem waren die Arbeitsrotten schnell da, wenn Schnee und Eis beseitigt werden mussten.
Dafür hatten die Triebwagen der Butjadinger Bahn im Winter schon mal defekte Heizungen, und aus eingefrorenen Luftpfeifen klang vor Bahnübergängen nur ein klägliches Quieken.
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