RUHWARDEN, 7. September 2010


Der Entstehungsprozess prägt das bildnerische Handeln

Gezeiten Ausstellung mit Werken von Marlis Czycholl-Tantzen in der Galerie am Wehlhamm eröffnet


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Galeristin Silke Trolldenier begrüßte Künstlerin Marlis Czycholl-Tantzen und Referent Frerich Arends BILD: Beatrix Schulte  Bild vergrößern

„Zwischen Irgendwann und Nirgendwo“ lautet der Titel der Ausstellung. Er sei rätselhaft.

von Beatrix Schulte

Ruhwarden - Schwarz-weiße gemalte Gedichte, abstrakte Steinskulpturen und farbige Acrylarbeiten der in Kleinfedderwarden geborenen Künstlerin Marlis Czycholl-Tantzen präsentierte jetzt die Galerie am Wehlhamm in Ruhwarden. Die Vernissage fand anlässlich der 25. Butjadinger Kunst- und Kulturwochen „Gezeiten“ statt. Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober mittwochs, donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Viele Kunstinteressierte fanden den Weg in die kleine seit 30 Jahre bestehende Ruhwarder Galerie und folgten der Einführung von Frerich Arends aus Jaderberg. Der bezeichnete schon den Titel der Ausstellung „Zwischen Irgendwann und Nirgendwo“ als ungewöhnlich und rätselhaft, da er sich dem analysierenden Verstand verschließe.


Vegetative Formen
In Bezug auf die Steinskulpturen sprach Arends von vegetativen Formen, die ihn an in der Natur Beobachtetes erinnerten. Marlis Czycholl-Tantzen wolle jedoch kein Abbild schaffen, sondern versuche bei der Bearbeitung herauszufinden, welche Form in dem Stein stecke. Dies könne nur per Hand und nicht mit Maschinen und es könne nicht in einem Zug geschehen. Die Künstlerin lege vielmehr den Stein mehrfach zur Seite, um ihn zu betrachten und dann erneut ans Werk zu gehen. Dies brauche Zeit, ebenso wie die von den Naturgewalten geformten Steine an einer Küste über eine lange Zeit entstanden.

Auch in den Bildern werde deutlich, dass der Entstehungsprozess im Vordergrund des bildnerischen Handelns stehe. Die Künstlerin erarbeite ein Thema in mehreren Bildern, jedes sei autonom, korrespondiere aber mit den anderen. Wie Pole ständen sich die Farben gegenüber. Die ab­strakten Farbflächen grenzen sich scharf gegeneinander ab oder versuchen zu verschwimmen.


Gemalte Gedichte
In der Werkgruppe „Gemalte Gedichte“ nähere sich die Künstlerin durch Malen an, ohne illustrativ zu werden. Nicht der Inhalt der Gedichte werde abgebildet, sondern auch hier vermittele sie zwischen zwei Polen durch bildnerische Mittel. Die Besucher mussten allerdings erst entdecken, dass durch Aufklappen der unteren schwarzen Leiste das Gedicht lesbar wurde. In diesem Fall war das Anfassen des Kunstwerkes also ausdrücklich gewünscht.

Die Gedichtform aus Japan nennt sich „Haiku“ und mit dem Malen dieser Gedichte geht Marlis Czycholl-Tantzen neue Wege. Ein Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht in siebzehn Lautbildungen und beschreibt Situationen aus der Natur, den Jahreszeiten und den darin eingebetteten Menschen mit seinen Gefühlen und Befindlichkeiten.

Schon früh beschäftigte sich die Künstlerin mit Ikebana, einer japanischen Steckkunst, bei der sie nicht nur die typischen Blumen verwendete, sondern auch zunehmend andere Materialien einband. Von 1967 bis 1971 studierte sie Ikebana in Tokyo und lehrte später in München und Linz. Es folgten Ausstellungen in München und Norddeutschland sowie Veröffentlichungen über Ikebana.

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Seit 1985 lebt Marlis Czycholl-Tantzen in Wiefelstede und war vier Jahre Vorsitzende der Landesgruppe Oldenburg des Bundes Bildender Künstler.




 



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