Ihr Dienstbuch erzählt viele Geschichten
Tischgespräch Erika Pichler ist seit 50 Jahren Mitglied im DRK – Sie leitet die Elsflether Bereitschaft
Erika Pichler ist seit 50 Jahren aktives Mitglied im DRK. Heute leitet sie die Elsflether Bereitschaft. BILD: Jan Lehmann 
von Jan Lehmann
Elsfleth - Erika Pichler holt ein kleines vergilbtes Büchlein aus einer Klarsichthülle. Es ist vergilbt und leicht wellig. „Das Buch ist schon einmal im Wasser gelandet“, sagt sie, und berichtet von einem Unfall während einer Dienstfahrt. Das Buch mit dem Pappeinband ist ihr Dienstbuch und knapp 50 Jahre alt. So lange ist Erika Pichler schon aktives Mitglied im Deutschen Roten Kreuz (DRK). Heute leitet sie die Elsflether Bereitschaft und die Frauenbereitschaft auf Kreisebene. Die Elsfletherin hat zum Essen Zanderfilet bestellt. Sie isst gern, besonders gern Fisch. Sie kocht auch gern und arbeitet im Garten. Ihr Herz gehört aber der Arbeit beim DRK. „Es tut mir gut, wenn ich mit meinen Rotkreuz-Leuten zusammen bin“, sagt sie. Besonders vor 19 Jahren, als ihr Mann Bruno nach schwerer Krankheit starb, war ihr diese Arbeit eine große Stütze. Besonders in der Sozialarbeit und für den Blutspendedienst hat sich Erika Pichler immer stark engagiert, und das hat abgefärbt: Ihre Tochter Sabine Strohbach-Nakaten (46) ist im Ovelgönner DRK engagiert und hat auch einen sozialen Beruf gewählt.
„Es ist schön, wenn man anderen Helfen kann“, beschreibt Erika Pichler, geborene Göllner, ihre Motivation. Gerade in den 60er Jahren, als sie beim DRK anfing, gab es noch viele Familien, die auf diese Hilfe angewiesen waren. Zum Beispiel dann, wenn Kinder oder Mütter Erholungsurlaub brauchten.
Auch ihre Familie musste nach der Flucht aus Niederschlesien mit wenig anfangen, und zwar in Moorriem. Ihren Vater hat Erika Pichler nur ein Jahr bewusst erlebt. Er kehrte 1950 schwer krank aus der Gefangenschaft in Sibirien zurück und starb ein Jahr später.
Ende der 50er Jahre lernte Erika Pichler ihren Mann kennen, der die Seefahrtsschule besuchte. Sie war Schülerin am Braker Gymnasium und lernte später Arzthelferin an einer Hamburger Fachschule. Dieser Beruf war damals noch nicht populär. Meistens assistierten die Ehefrauen den Medizinern. Anfang der 60er Jahre gründeten die Pichlers in ihrem Haus an der Bürgermeister-Ehlers-Straße eine Familie; die Kinder Sabine und Ulf Bernd wurden geboren. Heute hat Erika Pichler zwei Enkelsöhne. Ihr Mann wurde Kapitän und später Dozent an der Seefahrtschule.
Anfang der 60er Jahre, das war auch die Zeit, als Erika Pichler ins DRK eintrat. Annemarie Schiff, die Frau des Bankiers sprach sie damals an, ob sie nicht in einer Ortsgruppe des DRK mitarbeiten wolle. Die junge Frau wollte und meldete sich zum Erste-Hilfe-Kursus an. Es folgten die Sanitätshelferausbildung und viele weitere Lehrgänge. Die ehrenamtliche Arbeit beim Roten Kreuz war damals hart. Das Elsflether Team hatte neben der Kleiderkammer auch einen Möbeldienst für Bedürftige und ein Ausleihdepot für Pflegemittel, zum Beispiel Krankenbetten.
Erika Pichler hat schon viel erlebt beim DRK, und sie möchte die Zeit nicht missen. Deshalb hat sie auch ihr altes Dienstbuch nie gegen ein neues ausgetauscht.
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