Jan Harpstedt dampft für immer ab

EISENBAHN Schaulustige beobachten letzte Fahrt der Kleinbahn nach Lemwerder


MIT ZEHN MINUTEN VERSPÄTUNG STAMPFTE DIE BAHN DURCH DAS SCHNEEGESTÖBER. FÜR EISENBAHNFREUNDE EIN TRAURIGER TAG.

VON HARALD GEITH

Lemwerder/Delmenhorst - Den Slogan „Wir fahren bei jedem Wetter“ nahm sich die historische Kleinbahn „Jan Harpstedt“ am Mittwoch zu Herzen: Mit zehnminütiger Verspätung kämpfte sich die alte Dampflok durch das Schneegestöber bis nach Lemwerder – zum letzten Mal. Ab Januar werden die Gleise von Hasbergen nach Lemwerder gesperrt. Der Sanierungsbedarf war zu groß geworden.

Torsten Lehrfeld und Torben Kluwe wechselten sich als Lokomotivführer und Heizer im Fahrerhaus ab. „Tschüss Lemwerder“ stand in weißen Lettern an der Seite der Lok geschrieben.

In Altenesch stieg Miguel (3) mit seiner Uroma Brunhilde Krieger aus Altenesch, in den Zug. Die sagte: „Wir fahren zum ersten und leider auch zum letzten Mal mit dieser Bahn. Der Urenkel sollte wenigstens einmal mit dieser Dampflok gefahren sein!“

In Lemwerder wurde der gemütlich beheizte Zug von vielen Neugierigen schon sehnsüchtig erwartet, es gab einen ganz schönen Rummel beim letzten Besuch des Dampfrosses.

Unter den Zuschauern weilte auch Dennis Matthis (22) aus Delmenhorst. Er hatte per Zufall von der Abschiedsfahrt gehört, schaute im Internet noch mal genauer nach und folgte dem Zug mit dem Auto. Er interessiert sich speziell für Dampflokomotiven, folgte der Bahn und machte alle Haltestellen mit, um das Ganze mit Fotos festzuhalten.

Ganz anders erging es Klaus-Dieter Glade (58) aus Bremen-Walle. Er war per Bahn nach Lemwerder gereist um sich den neuen Aussichtsturm anzusehen. Oben angekommen, hörte er das Tuten der Eisenbahn und wurde so an den Bahnhof gelockt. Er interessiert sich zwar mehr für die Fahrten per Schiff, aber dieses Spektakel wollte er sich nun doch nicht entgehen lassen.

Eine lange Fahrt hat Bärbel Rasch (52) zusammen mit ihrem Mann auf sich genommen: Sie kamen extra aus Hamburg angereist, um Jan Harpstedts letzte Fahrt nach Lemwerder auf Film zu bannen. Für private Zwecke, wie sie sagt und für interessierte Eisenbahnfreunde. Das Filmen sei hier ein besonderes Vergnügen. Sie meint: „Es ist schön flach hier, eine freie und schöne Gegend, da kann man weit schauen und so bekommt man viele tolle Aufnahmen auf den Film!“

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Alles in allem war die Abschiedsfahrt aufregend, aber auch ein trauriger Tag für viele Eisenbahnfreunde.

Vom 6. Mai 2001 bis 30. Dezember 2009 wurde die 14 Kilometer lange Eisenbahnstrecke Delmenhorst-Lemwerder regelmäßig von Museumszügen befahren – mit einer Fahrgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Meistens wurde der Triebwagen T 121 eingesetzt, z.B. bei Sonderfahrten zum Drachenfest.

Diese Strecke hat eine lange Tradition: Am 1. November 1922 erfolgte die Inbetriebnahme für Güter-und Personenverkehr. 40 Jahre später fuhr der letzte Zug dieser Art, im April 1995 begann der erste Museumsbahnverkehr.

Die Gemeinden Lemwerder und Delmenhorst kauften die jeweiligen Streckenabschnitte 1998. Die Sanierungskosten würden sich nun auf rund 80 000 Euro belaufen.


FUNKTIONEN
31.12.2009
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