Malmsheimer entglorifiziert die 70er Jahre
Kabarett Rhetorikkünster landet Lacherfolge in der voll besetzten Begegnungsstätte
Launige Geschichten über die 70er Jahre gab Jochen Malmsheimer in der Begu zum Besten. BILD: Gabriele Bode 
Lemwerder - Beim Besuch von Jochen Malmsheimer hätte der Saal der Begu auch gerne etwas größer sein können. Längst nicht alle Fans bekamen eine Eintrittskarte, und die ersten Fragen danach kamen sogar schon vor der Herausgabe des offiziellen Programms. Der Kabarettist enttäuschte sein Publikum nicht, auch wenn er dieses Mal eher unpolitisch und nicht – wie oft im Fernsehen – mit grauem Hausmeisterkittel, daher kam.
Mit der Schilderung vom Spielzeugeisenbahneinkauf mit dazugehörigem, in Einzelteilen auf kompakte Größe geschrumpftem Bahnhof begann sich der Wortakrobat langsam warm zu reden. Bei dem von Bärbel Höhn erlassenen, nordrhein-westfälischem „Leinenzwang“, für alles was mehr als drei Beine hat (außer selbstverständlich Drogendachse und andere Diensttiere), kam er langsam auf die „gute alte Zeit“.
Wortreich entglorifizierte der gebürtige „Ruhrpottler“ die 70er mit ihren „Prilblumen“, „Tante Tilly“, Plomben entfernenden Nappos oder mordenden Miedern, auch wenn dieser Epoche gerne von Angorakappen tragenden, alten Tanten hinterher getrauert wird. Dabei sorgte er mit seinen ganz speziellen Sichtweisen, die immer ins Schwarze trafen, für viel Gelächter.
Nach der Pause ging es mit den Feten dieser Zeit weiter. Dazu gehörten Erinnerungen an dunkle Keller von Freunden, deren Eltern verreist waren, ersten Sex, den obligatorischen Nudelsalat und das karge Taschengeld, das gerade für eine „Bombe Pennerglück“ (Lambrusco) reichte. Und die Stimmung im Saal zeigte, dass sich wohl sehr viele Gäste darin wiederfinden konnten. Immer mehr lief der Rhetorikkünstler zu Höchstform auf, bis er schließlich bei der Frage landete: „Was macht ein Wort, wenn es gesprochen wurde?“ und diese natürlich extrem wortgewandt klärte.
In atemberaubender Geschwindigkeit folgte ein Gag dem nächsten und das Publikum ließ den Künstler natürlich nach einem riesigen Applaus nicht ohne Zugabe von der Bühne.
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