BLEXEN, 19. Dezember 2009


Seniorenheime stehen unter Druck

ALTENPFLEGE Diakonisches Werk in Not – Suche nach Lösungen aus finanzieller Schieflage


DAS SENIORENZENTRUM TO HUUS ACHTERN DIEK IST GUT AUFGESTELLT. ES IST ZU 95 PROZENT BELEGT.

VON ULRICH SCHLÜTER

Blexen - Die Seniorenheime des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche in Oldenburg sind in eine finanzielle Schieflage geraten (die NWZ berichtete). Die Probleme lassen sich nach den Worten von Stefan Schreiber, Leiter des Seniorenzentrums To Huus achtern Diek in Blexen, allerdings nicht vor Ort lösen. Ein gemeinsames Ziel müsse es sein, das wirtschaftliche Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Seniorenheime stehen unter einem immensen Kostendruck. „Die Lage ist ernst“, sagt Fred Memenga, Vorsitzender des Heimbeirats To Huus achtern Diek. Die Mitarbeiter leisteten tolle Arbeit. „Aber die Kosten fressen auf“, klagt er. Das Seniorenzentrum und die Arbeitsplätze zu erhalten, steht für ihn an erster Stelle.

Rund 90 Mitarbeiter

Am Beispiel der Einrichtung in Blexen zeigt sich die Misere, in welche die Häuser schlittern. So werden die mehr als 90 Mitarbeiter nach Tarif bezahlt, im Mai 2009 gab es noch eine Lohnsteigerung von 4,5 Prozent. Die Beschäftigten haben Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, eine zusätzliche Altersvorsorge besteht gleichfalls. „Aus den Kassen der Pflegeversicherung gab es praktisch keine Erhöhung“, betont Fred Memenga.

Um den Kostendruck zu mindern, hatten sich Mitarbeitervertretung und Diakonie-Vorstand auf einen Verzicht des Weihnachtsgeldes verständigt. Diese Vereinbarung kippte jedoch die Mitarbeiter-Landesvertretung. In der Arbeitsrechtlichen Kommission vereinbarten die Beteiligten dann die Zahlung des Weihnachtsgeldes. Ermöglicht hat diesen Entschluss eine nachhaltige Entscheidung: Einrichtungen wie das Seniorenzentrum To Huus achtern Diek müssen dem Diakonischen Werk als Träger keine Miete zahlen. Das aber könne auf Dauer keine Lösung sein, merkt Stefan Schreiber an.

Das Haus in Blexen ist nach wie vor gut aufgestellt. Die Auslastung liegt bei 95 Prozent. 50 volle Stellen sind vorhanden, 35 davon in der Pflege. Gesetzlich fixiert ist, dass 50 Prozent der Pflegestellen von examinierten Fachkräften besetzt sein müssen (Fachkraftquote). Während es sich im Bereich der Fachkräfte größtenteils um ganze Stellen handelt (rund 80 Prozent), arbeiten viele Pflegehelfer in Teilzeit. Deren Stundenlohn liegt bei 11 Euro und damit deutlich über dem geforderten Mindestlohn, der bei 7,50 Euro angesiedelt ist.

Ohne Qualifikation

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Im Pflegebereich beobachtet Stefan Schreiber seit geraumer Zeit einen gegensätzlichen Trend. Während examinierte Kräfte gesucht werden, bewerben sich nach seinen Worten zuhauf Leute ohne Ausbildung. Im Pflegebereich sei auch keine Qualifikation vorgegeben, sagt er. Es bestehe in dieser Sparte sicherlich Spielraum. Dass in dem sensiblen Bereich Altenpflege nur noch auf den Euro geschaut werde, hält er für bedenklich.

Längerfristige Regelung für SEniorenheime angepeilt

In dem ausgehandelten Kompromiss ist eine längerfristige Regelung für die sieben verschuldeten Altenpflege-Einrichtungen der Diakonie mit rund 600 Bewohnern gefunden worden. Betroffen sind Stephanusstift in Delmenhorst, Seniorenzentrum To Huus achtern Diek in Blexen, Friedas-Frieden, Elisabethstift, Büsingstift, Ev. Seniorenzentrum am Schützenweg und Altenzentrum Bischof Stählin in Oldenburg sowie Peter-Friedrich-Ludwig-Stift in Esens. Verhandlungen um die Details beginnen in Kürze. Derzeit besuchen Vertreter der Geschäftsführung die Einrichtungen, um die Beschäftigten zu informieren.

Die Mitarbeiter erhalten Weihnachtsgeld. Aus technischen Gründen wird es im Januar ausgezahlt.




 



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