ELLWüRDEN, 12. März 2010


Stauschleife löst wenig Begeisterung aus

Verkehr Landesbehörde stellt Planungsvariante für überlasteten Knotenpunkt an der B 212 vor


Bild

Die wartenden Linksabbieger sorgen für lange Warteschlangen auf der Großensieler Straße. Der geplante Kreisverkehr droht an den Kosten zu scheitern. BILD: Norbert Hartfil  Bild vergrößern

Für den Abbehauser Ortsrat und den Nordenhamer Stadtrat ist ein Kreisel nach wie vor die erste Wahl. Das Problem liegt in der Finanzierung.

von Norbert Hartfil

Ellwürden - Verkehrsplaner haben einen Hang zu sperrigen Formulierungen. Daher hatten es die Zuhörer nicht einfach, Jürgen Müller zu folgen, als der ihnen eine neue Lösungsvariante für die überlastete Einmündung der Großensieler Straße in die B 212 schmackhaft machen wollte. Der Ampel-Experte der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg pries eine „Fußgängerlichtzeichenanlage mit Stauschleifen im untergeordneten Ast“ als das ideale Instrument an. Die Begeisterung bei den Kommunalpolitikern aus dem Nordenhamer Stadtrat und dem Abbehauser Ortsrat hielt sich allerdings in Grenzen. Sie hegten den Verdacht, dass die Landesbehörde sie mit einer Billiglösung abspeisen will.

In der Tat wäre die Stauschleifen-Anlage mit Kosten von rund 100 000 Euro deutlich günstiger zu haben als der vom Stadtrat und Ortsrat seit Jahren geforderte Kreisverkehrsplatz, der laut Jürgen Müller etwa 500 000 Euro verschlingen würde.


Kreisel kostet 500 000 Euro
Der Vize-Chef der Oldenburger Straßenbaubehörde, Theo Bley, beteuerte zwar, die Stauschleifen-Anlage sei vor allem aus bau- und verkehrstechnischer Sicht in Ellwürden zu bevorzugen. Aber gleichzeitig machte er deutlich, dass ein Kreisverkehr für 500 000 Euro „wirtschaftlich nicht zu vertreten“ sei. Einen Kreisel mit solch einem Kostenaufwand habe seine Behörde noch nie gebaut.

Theo Bley und Jürgen Müller rührten in der gemeinsamen Sitzung des Ortsrates mit dem Stadtratsausschuss für Bauen und Umwelt fleißig die Werbetrommel für ihren Vorschlag. Doch punkten konnten sie damit nicht, weil die große Mehrheit im Stadtrat und im Ortsrat deutliche Vorteile bei einem Kreisverkehr sieht. „Es wäre fatal, jetzt aus Kostengründen eine Notlösung zu wählen“, sagte WIN-Ratsherr Dr. Gernot Schenker unter dem Beifall aus allen politischen Lagern, „die einzige wirkliche Lösung ist ein Kreisverkehr.“ Ähnlich äußerten sich Rainer Voskamp (CDU), Ernst-Otto Kruse (FDP) sowie Uwe Thöle und Horst Milotta (beide SPD).

Jürgen Müller hatte dargelegt, dass die Stauschleifen-Variante nach Auffassung der Verkehrsplaner keineswegs eine B-Lösung ist. Dieser Vorschlag für einen „nicht vollständig signalisierten Knotenpunkt“ sieht vor, dass auf der B 212 zwei Schlafampeln vor und hinter dem Einmündungsbereich postiert werden. Sie springen nur auf Rot, wenn Fußgänger den Schalter drücken oder sich Fahrzeuge auf der Großensieler Straße in der Warteposition befinden. Die Sensoren in der Stauschleife aktivieren automatisch die Ampeln, sobald ein Auto dort länger als 45 oder 60 Sekunden steht.

Mit dieser Bedarfsschaltung wäre laut Jürgen Müller das Hauptproblem der sich aufstauenden Linksabbieger gut in den Griff zu bekommen. Zudem würde dabei der Verkehrsfluss auf der Bundesstraße nicht unnötig abgebremst. Als weitere Vorteile führte er an, dass kein zusätzlicher Grunderwerb nötig und der Aufwand vertretbar wäre, falls später doch noch ein Kreisel gebaut werden sollte. Für die Rechtsabbieger soll eine gesonderte Spur angelegt werden. Ansonsten wären keine größeren Baumaßnahmen erforderlich.


Nur noch Tempo 50
Als zusätzliche Regulierung empfiehlt Jürgen Müller die Herabsetzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von zurzeit 70 auf 50 Stundenkilometer bis zur Ellwürder Ortseinfahrt.

ANZEIGE

Die Kreiselplanung hat die Landesbehörde vorerst zu den Akten gelegt, weil die klamme Stadt Nordenham im vergangenen Jahr wissen ließ, dass sie entgegen ihrer früheren Aussagen doch nicht zu einer Mitfinanzierung bereit sei. Seitdem steht für die Landesbehörde als Alternative nur noch eine Lichtzeichenregelung im Raum.

Von einer Vollampelanlage, die mit etwa 300 000 Euro zu Buche schlagen würden, raten die Verkehrsplaner ab. Denn bei dieser Lösung gestaltet sich die Anbindung der Anliegergrundstücke an der B 212 als schwierig. Es müsste vor den Häusern ein Parallelweg gebaut werden, der nach Einschätzung der Polizei nicht ungefährlich wäre. So könnten eilige Autofahrer diesen Nebenweg, der auch für Radfahrer vorgesehen ist, als Abkürzung missbrauchen.

wurde festgestellt, dass wochentags in der Spitzenstunde von 7.15 von 8.15 Uhr an dem Knotenpunkt in Ellwürden 870 Fahrzeuge auf der Bundesstraße und 640 auf der Großensieler Straße unterwegs sind.

zur Lösung des Verkehrsproblems ist unklar. Ortsrat und Stadtrat haben die Landesbehörde aufgefordert, die zu erwartenden Verkehrsströme bei den verschiedenen Varianten zu ermitteln.




 



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Falscher Polizist erbeutet mehrere Tausend Euro

10.02.2012 - Mehrere Tausend Euro hat am Donnerstagvormittag ein Mann in Nordenham erbeutet, der sich als Polizeibeamter ausgab. Opfer war eine 85-jährige Rentnerin. Als sie gegen 11.40 Uhr zu ihrer Wohnung an der Bahnhofstraße kam, erwartete sie der Täter bereits im Treppenhaus.mehr

Blanker Hans nagt an den Deichkronen

09.02.2012 - Es war ein Tag wie jeder andere für Theo Köhne, als er am Freitag, 16. Februar 1962, gegen 5.30 Uhr im elterlichen Haus in Blexen aufstand. Mit seinem Opel Rekord fuhr er danach zur Arbeit. Seine Schicht bei Weserflug in Einswarden begann um 7 Uhr.mehr

Blut spenden in der Friedeburg

09.02.2012 - Das Deutsche Rote Kreuz lädt für die kommende Woche zur Blutspendeaktion in die Stadthalle Friedeburg ein. Das DRK-Blutspendeteam steht dort am Dienstag, 14. Februar, und am Mittwoch, 15. Februar, jeweils in der Zeit von 14 bis 19 Uhr bereit.mehr

Vortrag zur Franzosenzeit in Butjadingen

09.02.2012 - Der Rüstringer Heimatbund lädt für Dienstag, 14. Februar, zu einem Vortrag zum Thema „Die Franzosenzeit in Butjadingen“ ein. Er beginnt um 19.30 Uhr im Burgsaal der Friedeburg. Referent ist Heddo Peters.mehr

Dick eingepackt gegen die eisige Kälte

09.02.2012 - Die klirrende Kälte des späten Winters macht auch vor der Wesermarsch nicht halt. Dicke Jacken, warme Schals, Mützen und Handschuhe haben Hochkonjunktur – und werden vor allem von denen benötigt, die im Freien arbeiten.mehr

TIPP DER WOCHE
Anzeige
Umfrage

Die Bundesregierung will das Punktesystems für Verkehrsverstöße neu fassen. Sollen die Vorschriften verschärft werden?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
0 °C
-9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat