NORDENHAM, 2. September 2010


Käufer für die Leichenhalle gefunden

Stadtfinanzen Bestattungsunternehmen Abendstille übernimmt das Gründerzeitgebäude


Bild

André Vos (links) und Jan Schmitz betreiben das „Haus des Abschieds“. BILDer: Norbert Hartfil  Bild vergrößern

5000 bis 10 000 Euro im Jahr spart die Stadt an Unterhaltungskosten. Das Haus steht unter Denkmalschutz.

von Norbert Hartfil

Nordenham - Bundesweit ist die Stadt Nordenham in die Schlagzeilen geraten, als sie 2005 aus Geldnot ihre Leichenhalle zum Verkauf anpries und damit abenteuerliche Spekulationen um den künftigen Verwendungszweck des Gebäudes auslöste. Jetzt hat die Stadt tatsächlich einen Käufer gefunden, aber an der Nutzung ändert sich nichts: Das Bestattungsunternehmen Abendstille will dort weiterhin Trauerfeiern ausrichten. Allerdings bekommt die Gründerzeitimmobilie an der Schillerstraße einen neuen Namen. Der sachlich-schmucklose Begriff Leichenhalle wird durch die Bezeichnung „Haus des Abschieds“ ersetzt.

Über den Kaufpreis haben Abendstille-Geschäftsführer André Vos und Stadtkämmerer Bert Freese Stillschweigen vereinbart. „Wir haben ein vernünftiges Geschäft abgeschlossen“, sagt Bert Freese, „damit sind beide Seiten zufrieden.“ Der städtische Schatzmeister ist schon deshalb zufrieden, weil sein leckgeschlagener Haushalt um 5000 bis 10 000 Euro im Jahr an Unterhaltungsaufwendungen entlastet wird.

2005 hatte die Stadt für die Immobilie eine Mindestsumme von 100 000 Euro gefordert. Aber zu diesem Preis fand sich kein Abnehmer, zumal das Gebäude unter Denkmalschutz und damit unter strengen Umbauauflagen steht. Auch Überlegungen, dort eine Kunsthalle oder einen Raum für Vorlesungen einzurichten, ließen sich nicht verwirklichen.

Die 2005 gegründete Firma Abendstille, die mittlerweile über zwei Niederlassungen in Ellwürden und Brake verfügt, hatte schon vor fünf Jahren ein erstes Interesse bekundet. Jetzt wurden die Verhandlungen mit der Stadt neu aufgenommen und mit der Gebäudeübertragung zum 1. September zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht.

Geschäftsführer André Vos, der die Firma gemeinsam mit seinem Bruder Jan Schmitz betreibt, will das „Haus des Abschieds“ bei Bedarf auch anderen Bestattungsunternehmern zur Verfügung stellen. Ihre Kundenzielgruppe sind Angehörige von Verstorbenen, die keiner Kirche angehörten oder aus anderen Gründen eine kirchliche Trauerfeier ablehnten. Das „Haus des Abschieds“ ist die dritte privat betriebene Andachtshalle in Nordenham. Sie bietet Platz für etwa 80 Besucher.

Das 1905 errichtete Gebäude grenzt mit seiner Rückseite an den Museumspark. Es hatte früher zum alten Krankenhaus gehört, das 1975 nach der Eröffnung der Wesermarsch-Klinik an der Albert-Schweitzer-Straße aufgegeben und in ein Wohngebäude umgewandelt worden war. Die Grünanlage und die Leichenhalle bekam die Stadt Nordenham vom Landkreis Wesermarsch überschrieben. Viele Jahre musste die Stadt aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung eine öffentliche Leichenhalle mit Kühl- und Waschräumen betreiben. Aber diese Pflicht besteht nicht mehr, seitdem private Anbieter derartige Einrichtungen vorhalten.

André Vos will an dem Gebäude wenig verändern. Lediglich eine Renovierung der Räume ist beabsichtigt. Auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück sollen Parkplätze angelegt und ein Zaun zum Museumspark gezogen werden. Der Zaun soll verhindern, dass Radfahrer, Spaziergänger und freilaufende Hunde die Trauernden stören.

ANZEIGE

André Vos möchte eine Dokumentation über die Geschichte des Gründerzeitgebäudes zusammenstellen und sucht dafür Bildmaterial aus alten Zeiten.




 



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Falscher Polizist erbeutet mehrere Tausend Euro

10.02.2012 - Mehrere Tausend Euro hat am Donnerstagvormittag ein Mann in Nordenham erbeutet, der sich als Polizeibeamter ausgab. Opfer war eine 85-jährige Rentnerin. Als sie gegen 11.40 Uhr zu ihrer Wohnung an der Bahnhofstraße kam, erwartete sie der Täter bereits im Treppenhaus.mehr

Blanker Hans nagt an den Deichkronen

09.02.2012 - Es war ein Tag wie jeder andere für Theo Köhne, als er am Freitag, 16. Februar 1962, gegen 5.30 Uhr im elterlichen Haus in Blexen aufstand. Mit seinem Opel Rekord fuhr er danach zur Arbeit. Seine Schicht bei Weserflug in Einswarden begann um 7 Uhr.mehr

Blut spenden in der Friedeburg

09.02.2012 - Das Deutsche Rote Kreuz lädt für die kommende Woche zur Blutspendeaktion in die Stadthalle Friedeburg ein. Das DRK-Blutspendeteam steht dort am Dienstag, 14. Februar, und am Mittwoch, 15. Februar, jeweils in der Zeit von 14 bis 19 Uhr bereit.mehr

Vortrag zur Franzosenzeit in Butjadingen

09.02.2012 - Der Rüstringer Heimatbund lädt für Dienstag, 14. Februar, zu einem Vortrag zum Thema „Die Franzosenzeit in Butjadingen“ ein. Er beginnt um 19.30 Uhr im Burgsaal der Friedeburg. Referent ist Heddo Peters.mehr

Dick eingepackt gegen die eisige Kälte

09.02.2012 - Die klirrende Kälte des späten Winters macht auch vor der Wesermarsch nicht halt. Dicke Jacken, warme Schals, Mützen und Handschuhe haben Hochkonjunktur – und werden vor allem von denen benötigt, die im Freien arbeiten.mehr

TIPP DER WOCHE
Anzeige
Umfrage

Die Bundesregierung will das Punktesystems für Verkehrsverstöße neu fassen. Sollen die Vorschriften verschärft werden?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
0 °C
-9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat