Schrilles Quartett mit Mopp und Djembé
Jahnhalle Trude träumt von Afrika spielt zweimal vor ausverkauftem Haus
von Klaus Turmann
Nordenham - Ein Best-of-Programm der Gruppe Trude träumt von Afrika bekamen jetzt 600 Besucher bei zwei ausverkauften Vorstellungen in der Jahnhalle zu sehen. Das bestand aus einem guten Dutzend musikalischer Darbietungen und darum herum platzierter selbstironischer Slapstick-Einlagen.
Vier Mitglieder des Ensembles traten auf und achteten peinlich genau auf die Rollenverteilung. Zum Klang von Edward Elgars „Of Pomp and Circumstances“ erschien als erste Trude Agathe alias Anke Hundius. In schrille Farben geringelt gab sie die übermotivierte, immer bewegte und stets voll engagierte ewig Jugendliche. Ihr Running Gag: das Anlegen des Haltegurts für die Djembé, bei dem sie sich wand und bog und immer wieder fast zu fallen schien. Hinter der clownesken Maske zeigte sie perfekte Rhythmik und ein geradezu unglaubliches körperliches Ausdrucksvermögen.
Ihr folgte Trude Erna alias Eva Roßberg, eine Diva fortgeschrittenen Alters in haarklein aufeinander abgestimmter Garderobe, die sich witzig und provozierend präsentierte. Natürlich erwies auch sie sich als exzellente Trommlerin. Zudem stellte sie ihr Talent als Flaschenbläserin und Quietschtier-Musikantin unter Beweis.
Soli auf den Roto-Toms
Dritte im Bunde war Trude Mathilde alias Annette Kayser, die Größte im Bunde, immer mit verkniffenem, eher übel gelauntem Gesicht, wohl weil sie dereinst der Hamburger Heilsarmee den Rücken kehrte und seit 17 Jahren Nachwuchstrommlerin bei den Truden ist. Sie spielte am häufigsten auf den großen Bass-Trommeln, ihre Soli auf der Snare Drum und – ganz exquisit – auf den Roto-Toms waren ein Erlebnis.
Trude Nummer vier ist Cäcilie alias Gunhild Wulf, die nicht nur wegen ihrer Kleidung und vornehmen Haltung starke Assoziationen ans britische Königinnen-Haus weckte. Neben den Trommeln zeigte sie wiederholt ihre Virtuosität an der Blockflöte.
Zunächst präsentierte sich das Quartett mit „Musik ist Trumpf“ heimatverbunden, abgesehen vom perkussiven Charakter ihrer Interpretation. Doch gleich das zweite Stück klang eindeutig nach Afrika. Aufgelockert durch einen Zweikampf von Snare und Djembé, boten die Truden instrumentale Kunst.
Es folgte die Wischmopp-Nummer, die kein Auge trocken ließ. Nach einer Anleitung aus einem Magazin demonstrierten die Damen Hausarbeits-Workout der Slapstick-Klasse extra-schrill. Von einer Konzertreise ins Erzgebirge brachten sie die Idee für die nächste Nummer mit: eine rotierende Mathilde auf einem Topf und drei darum kreisende Truden mutierten zur trommelnden Weihnachts-Pyramide.
Mehrstimmiger Gesang
Anschließend ging Erna aus, das heißt sie verharrte reglos, bis sie durch eine Glocke geweckt wurde. Um ihren Energiefluss anzuregen, gab’s ein afrikanisches Lied, bei dem die Truden mit ihrer gefühlvollen Mehrstimmigkeit überzeugten. Mögen ihre Einzelstimmen nicht überragend klingen, so lieferten sie als Gesangs-Ensemble eine prima Harmonie-Leistung.
„Eine kleine Nachtmusik“, gespielt auf Blockflöte und wassergefüllten Flaschen, ging als Reminiszenz an „die alten Tage als Blockflöten-Ensemble“ durch. Auch hier zeigte sich die überragende Musikalität der Damen.
Ein Postkarten-Song als Choral und die Demonstration einer Schallplatte mit afrikanischem Original (einschließlich Kratzer, Rauschen, Leiern und Zeitraffer) schlossen das Programm ab. Fertig waren die Truden aber erst nach der zweiten Zugabe, die das Publikum stürmisch eingefordert hatte.
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