NORDENHAM, 12. März 2011


Gelungener Feldzug für eine Visionärin

Szenische Lesung Isabel Rohner, Nicola Müller und Gerd Buurmann stellen Werk von Hedwig Dohm vor


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Mit Leidenschaft und lebhaftem Spiel agierten (von links) Gerd Buurmann, Nikola Müller und Isabel Rohner beim Hedwig-Dohm-Abend in der Aula des Gymnasiums. BILD: Beatrix Schulte  Bild vergrößern

Die Goethe-Gesellschaft und die Gleichstellungsbeauftragte hatten eingeladen. Das Publikum erlebte eine ebenso interessante wie humorvolle Darbietung.

von Beatrix Schulte

Nordenham - Sie war eine Vorreiterin der frühen Frauenbewegung und eine glühende Pazifistin. Die Deutsche Hedwig Dohm war zu ihrer Zeit ebenso als provokante Autorin bekannt, die Thesen ihrer Zeitgenossen wie den Philosophen Friedrich Nietzsche oder Psychoanalytiker Dr. Georg Groddeck geradezu sezierte und polemisch untergrub. Grund genug, sich dieser Frau am 100. Frauentag zu erinnern, wenn auch zwei Tage später. Die Goethe-Gesellschaft Nordenham und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Karin Windheim-Czichon, hatten für Donnerstagabend zu einer szenischen Lesung in die Aula des Gymnsiums eingeladen. 45 Interessierte, darunter auch etliche Männer, kamen zu der informativen und zugleich amüsanten Veranstaltung.

„Als Frauenrechtlerin kommt man an Hedwig Dohm nicht vorbei. Leider ist ihr literarisches Werk in Vergessenheit geraten,“ sagte die gebürtige Schweizerin Isabel Rohner. Diese Lücke zu füllen, sind sie und die Bremerin Nikola Müller angetreten. Bisher erschienen eine Biografie und weitere Bücher mit Texten und Romanen von Hedwig Dohm. Es scheint für die Germanistin und die Historikerin eine Lebensaufgabe zu werden, denn sie wollen noch weitere zehn Bücher über die Feministin publizieren. Bei der szenischen Lesung zeigte sich ihre Leidenschaft für das selbst gewählte Thema. Die Texte trugen sie mit viel Empathie und Verve vor und hauchten ihnen somit Leben ein. Unterstützt wurden sie durch den Schauspieler Gerd Buurmann, der ebenfalls tief in das literarische Werk Dohms eingestiegen war und mal den Nietzsche, mal die Dohm und mal den Groddeck gab.


Lebhaftes Spiel
Die Zuschauer amüsierten sich bei dem lebhaften Spiel und schmunzelten über die polemischen Texte. Die Feministin Hedwig Dohm war eine begnadete Autodidaktin, die sich nach ihrer kurzen Schulbildung nicht als Hausfrau dem Schicksal der Bildungslosigkeit ergab, sondern aktiv nach Wegen suchte, von anderen zu lernen. Durch ihre Entscheidung Spanisch zu lernen, traf die Tochter aus bürgerlichem Haus auf ihren späteren Ehemann Ernst Dohm, dem Leiter des Satireblattes Kladderadatsch und hatte Kontakt zur kulturellen Elite.

Hedwig Dohm war die bekannteste Autorin ihrer Zeit, eine gefürchtete Polemikerin und angesehene Gesellschaftskritikerin. Sie kämpfte zeitlebens für mehr Frauenrecht und ging weit über die Forderungen ihrer Zeitgenossinen hinaus, womit sie diese brüskierte. Sie forderte das Stimmrecht, die Ausbildung, ökonomische Unabhängigkeit, Freiheit der Gestaltung – eine äußerst revolutionäre Weltanschauung.

„In der Frauenfrage kommt man sich immer wie ein Wiederkäuer vor.“ klagte sie einmal die ewig gleichen Argumente ihrer Mitstreiterinnen an, die sie rezensierte und kritisierte. Hedwig Dohm waren die kleinen Schritte der Frauenbewegung viel zu wenig, im Alter wurde sie von jüngeren Generationen wiederentdeckt und zu deren Führungsfigur.

Mit 67 Jahren seziert sie Nietzsches altmodisches Frauenbild glasklar und gibt die Thesen des Machos der Lächerlichkeit preis. Mit 78 Jahren führt sie ihr Schwert gegen den Wissenschaftler Georg Groddeck, der von einer Entpersönlichung der Frauen sprach und ihnen jegliche Form der Selbstständigkeit absprach. Seine Aussage „Der Mann dient der Welt, die Frau dient dem Mann“ war für Dohm ein gefundenes Fressen, an dem sie sich mit Leidenschaft abarbeitete. Sie führt Groddecks Thesen auf humorvolle Art ad absurdum.


Fleißige Autorin
Sie erlebte den furchtbaren 1. Weltkrieg und später die Ermordung Rosa Luxemburgs. Dohm war eine fleißige Autorin und schrieb bis fünf Tage vor ihrem Tod mit 85 Jahren. Ihre letzten Worte am Sterbebett waren: „Das also war das Leben“. Sie ging mit klarem Verstand.

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Den drei Akteuren der Lesung kann man nur wünschen, dass sie auf ihrem Feldzug für das Werk Hedwig Dohms erfolgreich sind, denn die heute immer noch aktuellen und frischen Texte zeugen von einer großen Visionärin und einer ehrlichen Feministin, die mit viel Entschlossenheit und Willenskraft vorging und auch die Konfrontation nicht scheute.






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