Wie Urlaub in der Karibik
Hobby 35 Männer und Frauen beim Stricktreff in Abbehausen
Stricken bis die Nadel heiß wird: Hella Bessel, Monika Hartmann und Michael Vorwerk (von links) teilen ein Hobby, das längst nicht aus der Mode gekommen ist. BILD: Jens Milde 
von Jens Milde
Abbehausen - Michael Vorwerk strickt, seitdem er sieben Jahre alt ist. „Ich wollte unbedingt einen Schal für meinen Teddy haben“, erinnert sich der 43-Jährige. Seine Tante sagte ihm damals, dass er das selbst hinbekommt. Sie zeigte ihm, wie man mit Nadel und Garn umgeht. „Mir hat das großen Spaß gemacht“, erzählt Michael Vorwerk. Und so ist er bis heute begeisterter Stricker. Und er freut sich, wenn er sich mit Leuten trifft, die das Hobby mit ihm teilen.
Das vergangene Wochenende bot reichlich Gelegenheit dazu. Zum dritten Mal hatte die Nordenhamerin Hella Bessel zum Stricktreffen in die Gaststätte Butjadinger Tor eingeladen. Michael Vorwerk war einer von 35 Teilnehmern. Er reiste aus München an. Und er war nicht einzige, der eine lange Zug- oder Autofahrt in Kauf nahm, um nach Nordenham zu kommen. Aus ganz Deutschland reisten die Teilnehmer an, um drei Tage lange zu stricken und zu klönen.
Im Internet verabredet
Verabredet haben sich die fleißigen Stricker auf der Internet-Plattform ravelry. Hier werden Strickmuster und Anleitungen ausgetauscht. Und hier können die Freunde der Handarbeit Strickpartys vereinbaren. So wie in Abbehausen. Die meisten Teilnehmer waren schon beiden ersten beiden Treffen dabei. Sie tauschen sich aus, geben sich Tipps, sie klönen und sie lachen.
Monika Hartmann ist aus Detmold angereist. „Für mich ist das reinste Therapie hier“, sagt sie. „Man kommt total fertig hier an, und drei Stunden später tut einem Bauch weh vom Lachen. Das ist wie ein Erholungsurlaub in der Karibik.“ Auch sie ist zum dritten Mal in Abbehausen dabei. Sie schätzt den lockeren Umgang, die Bekanntschaften, die sich über das gemeinsame Hobby entwickelt haben. „Und natürlich lernen wir auch viel voneinander.“
Michael Vorwerk ist zwar ein Exot in der Frauendomäne, aber er ist nicht der einzige Mann, der am Stricktreffen in Abbehausen teilnimmt. Und an das Exotendasein hat er sich eh längst gewöhnt. Wenn er auf langen Zugfahrten sein Strickzeug herausholt, erntet er schon gelegentlich irritierte Blicke. Aber das ist ihm längst egal. Er strickt nicht nur für sich, sondern auch für seine Familie und für Freunde.
Dass Stricken wieder im Kommen ist, davon ist Hella Bessel überzeugt. „Sehen Sie sich um, wir haben auch viele junge Mütter in unserer Runde“, sagt die 52-Jährige. Sie strickt seit ihrer Kindheit. „Ich habe mich sozusagen zum Abitur gestrickt“, erzählt sie. Schade findet sie es, dass Stricken kaum noch in der Schule unterrichtet wird.
Viele Teilnehmer sind mit Gastgeschenken gekommen. Gestrickte und gehäkelte Tortenstücke, Muffins und Eistüten, liebevoll gestaltete Einzelstücke, aus Wolle gefertigt. Apropos Wolle. Unzählige Wollknäuel hat sich Hella Bessel für das Stricktreffen auf Kommission schicken lassen. In allen Farbvariationen liegen sie auf den Tischen bereit zur Verarbeitung.
Für Berliner Tafel
Die meisten Teilnehmer – viele von ihnen sind schon am Donnerstag angereist – stricken für den Eigenbedarf. Aber immer wieder arbeitet die Strick-Community für einen guten Zweck. Die Nordenhamer Gruppe, die sich regelmäßig in Abbehausen trifft, strickt in 2011 für die Berliner Tafel, die ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Die fertigen Sachen sind für bedürftige Kinder im Alter bis zu sechs Jahren bestimmt. Einige Lieferungen von fleißigen Nordenhamerinnen sind bereits in die Bundeshauptstadt geschickt worden.
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