„Mütter müssen einfach dranbleiben“
Erholung Krankenkassen lehnen zwei von drei Anträgen auf Mutter-Kind-Kuren ab – DRK bietet Hilfe an
Diesmal darf die Mutter Tonja Gentner (links) zuschauen, während die Kinderärztin Dr. Theodora Gancheva ihre Tochter Vanessa in der Mutter-Kind-Kurklinik „Meeresbrise" in Graal-Müritz untersucht. BILD: dpa 
von Henning Bielefeld
Nordenham - Es ist paradox: Seit vier Jahren sind Mutter-Kind-Kuren eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen, aber dennoch bewilligen sie immer weniger Erholungsaufenthalte. Das will der Kreisverband Wesermarsch des Deutschen Roten Kreuzes nicht hinnehmen.
Deshalb hat der Geschäftsführer Peter Deyle die Stelle, die diese Kuren vermittelt, neu besetzt. Seit Ende Juni sitzt die 31-jährige qualifizierte Tagesmutter Mandy Märtens an jedem Dienstagvormittag am Schreibtisch der im Frühjahr verstorbenen Christel Tiemann im DRK-Haus an der Hafenstraße 47 a. Deyle denkt auch darüber nach, diese Beratungen künftig zusätzlich in den DRK-Häusern Brake, Oldenbrok, Elsfleth und Lemwerder anzubieten.
Nur noch 20 Anträge
Dabei ist es nicht so, dass erholungsbedürftige Mütter der Beratungsstelle die Türen einrennen. Exakt 20 Anträge auf eine Mutter-Kind-Kur sind im vergangenen Jahr beim DRK eingegangen – 20 aus der ganzen Wesermarsch! Bewilligt wird von den Kassen durchschnittlich nur jeder dritte Antrag. Dabei dürfte der Bedarf wesentlich höher sein, vermutet Peter Deyle. Aber die restriktive Bewilligungspraxis der Krankenkassen spreche sich bei den Müttern herum und nehme vielen die Motivation, es überhaupt zu versuchen.
Hintergrund dieser zögerlichen Bewilligungspraxis sind die knappen Finanzen der Kassen. Doch wer an Mütter-Kind-Kuren spart, der spart an der falschen Stelle, ist Peter Deyle überzeugt. Denn wenn Mütter Krankheiten und Erschöpfungszustände verschleppten, könne es später für die Kassen viel teurer werden. Die Initiative müsse aber von ihnen kommen: „Die Mütter müssen einfach dranbleiben.“
Der erste Schritt sei entweder ein Besuch beim Hausarzt oder in der DRK-Beratungsstelle. Der Hausarzt schreibt ein Attest, die Beratungsstelle gibt die Antragsformulare aus, berät bei der sehr komplexen Stellung der Anträge, hakt bei einer Ablehnung nach und hilft schließlich dabei, das richtige Kurheim zu finden.
Zudem beantwortet Mandy Märtens Rückfragen der Krankenkassen und schaut noch einmal auf das Attest des Arztes. Denn nicht selten lehnen die Krankenkassen den Antrag wegen des Attestes ab. Entscheidend sei, dass die Mutter die Kur brauche – und nicht etwa das Kind. „Die Mutter steht im Mittelpunkt“, betont Mandy Märtens.
Wenn die Krankenkasse die Mutter-Kind-Kur ablehnt, klemmt sich Mandy Märtens dahinter. Nicht selten verbringt sie Stunden mit einem solchen Antrag. Sollte die Kasse auch diesen zweiten Versuch ablehnen, habe ein dritter kaum noch Aussicht auf Er folg, sagt Peter Deyle. Dann müsse die Mutter im nächsten Jahr die Prozedur von vorne starten.
Die DRK-Beratungsstelle ist dabei nur Vermittlerin. Nach Auskunft von Peter Deyle erhält sie für jede erfolgreiche Vermittlung etwa 80 Euro vom Müttergenesungswerk. Damit seien oft aber kaum die Kosten gedeckt.
Insgesamt gibt es in Deutschland nach Deyles Worten 83 Mütter-Kind-Kureinrichtungen. Der DRK-Landesverband Oldenburg unterhält beispielsweise Einrichtungen in Schillig, auf Wangerooge und auf Norderney. Viele Häuser sind spezialisiert – das in Schillig etwa auf Trauerarbeit, das auf Wangerooge auf Fettleibigkeit. Die restriktive Bewilligungspraxis der Kassen stellt die Heime vor Probleme: „Vielen Einrichtungen steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Deyle. Deshalb bietet das Mutter-Kind-Kurheim „Villa Kunterbunt“ auf Wangerooge jetzt auch Seniorenfreizeiten an.
Nicht nur in DRK-Häuser
Peter Deyle und Mandy Märtens betonen aber, dass sie keineswegs nur in DRK-Einrichtungen vermitteln, sondern selbstverständlich auch in Häuser anderer Verbände, so wie es die Gesundheit der Mutter erfordert.
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