Mit dem Riesenkraken auf große Reise
Drachensport Bernd Halbeck nimmt an Festival in Kapstadt teil – Begeistert von der Natur
Bernd Halbeck (rechts) zeigte den Festivalbesuchern in Kapstadt, worauf es beim Drachensport ankommt. 
von Heiko Bahlmann
Nordenham - Der windreiche Herbst gilt als die beste Zeit, um Drachen steigen zu lassen. Kunterbunt ziehen filigrane Lenkflieger ihre Runden, während einleinige Drachenkunstwerke still am Himmel hängen. Der Nordenhamer Bernd Halbeck ist durch und durch ein Drachen-Fan. Diese Leidenschaft hat ihn jetzt nach Südafrika geführt. Dort ist zurzeit zwar Frühling. Aber das hindert die Südafrikaner nicht, ein großes Drachenfest mit internationaler Besetzung auf die Beine zu stellen. Bernd Halbeck war dabei.
Carbon statt Holzleisten
Der Drachensport hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Neue Materialien – wie Spinnakernylon oder Gestänge aus Carbon – lassen ganz neue Bauformen zu und haben Holzleisten und Wachspapier verdrängt.
Bernd Halbeck besitzt zahlreiche Großdrachen. Wenn der Wind es zulässt, dann sieht man ihn mit seinem 30 Meter langen Riesenkraken am Strand in Nordenham oder Tossens. Im Mai bekam der Nordenhamer eher zufällig das Angebot, seine Fluggeräte an einem weitaus außergewöhnlicheren Ort in die Lüfte steigen zu lassen. Die Organisatoren des 17. Internationalen Drachenfestivals in Kapstadt hatten von ihm gehört und ihn eingeladen, seine eindrucksvollen Drachen am anderen Ende der Welt zu präsentieren. Da sich solch eine Chance nie wieder bietet, sagte er sofort zu.
Schon im Juni fing Bernd Halbeck an, seine Reisevorbereitungen für das Abenteuer in Afrika zu treffen. Die schwierigste Frage war, welche Drachen mit nach Kapstadt sollten. 30 Kilo Reisegepäck sind nicht viel, zumal sein Riesenkrake schon 13 Kilo auf die Wage bringt. Wegen seiner imposanten Größe musste der Krake unbedingt mit nach Afrika. Zwei je sechs Meter große Bienen, einen mit zwei Meter eher kleineren Tweety-Drachen, ein fünf Meter langes Kleeblatt sowie ein zugkräftiger Lastendrachen kamen hinzu. Mehr ging beim besten Willen nicht.
Als sein Flugzeug in Hamburg zum Start ansetzte, lagen gut 17 Stunden in der Luft vor ihm, unterbrochen durch eine vierstündige Pause auf dem Flughafen von Dubai.
In Kapstadt nahm Bernd Halbeck sogleich Kontakt zu anderen Drachenfestteilnehmern auf, die aus Indonesien, Italien, den USA und Deutschland angereist waren. Das unter dem Motto „One Sky. One World“ (Ein Himmel. Eine Welt) stattfindende Drachenfest würde täglich bis zu 7500 Zuschauer anlocken und versprach stressig zu werden. Deshalb wurde den Teilnehmern schon im Vorfeld ein abwechslungsreiches Programm geboten. Dazu gehörte eine Besichtigungstour durch Kapstadt ebenso wie eine beeindruckende Zugfahrt zum Kap der Guten Hoffnung, dem süd-westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Strauße, Zebras und Giraffen konnte er bei einer Safari erleben. Nachdenklich stimmte ihn der Ausflug in das Armenviertel Khayelitsha. Dort gaben die Festivalteilnehmer an einer Schule Drachenbau-Workshops. Die Kinder freuten sich sehr über die mitgebrachten Riesendrachen, die sie gemeinsam mit ihren Eigenbauten steigen ließen.
Leider veränderte sich das bis dahin schöne Frühlingswetter, je näher das Festivalwochenende rückte. Der Wind blies zeitweise in Orkanstärke. Bernd Halbeck und seine internationalen Drachenfreunde hielt das aber nicht davon ab, ihre Flugobjekte zu präsentieren. Das Publikum und die Organisatoren zeigten sich begeistert von der Einsatzbereitschaft.
Dem Nordenhamer blieb vor allem die tolle Kulisse in Erinnerung. Das Erlebnis, seine Drachen am Fuße des Tafelbergs fliegen gelassen zu haben, wird er nie vergessen.
Schönes Abenteuer
„Es war das größte und schönste Abenteuer, das ich bisher erlebt habe“, blickt Bernd Halbeck auf die Zeit in Südafrika zurück. Die „freundlichen Menschen und die atemberaubende Natur“ haben ihm so gut gefallen, dass er schon seine nächste Reise nach Kapstadt plant. Mit oder ohne Drachen im Gepäck.
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