IG Metall erfreut über Berliner Steilvorlage
Niedriglöhne Martin Schindler fordert Neuordnung für den Arbeitsmarkt
wmz
Nordenham - In Niedriglöhnen und Arbeitsverhältnissen ohne Tarifregelung sieht die Industriegewerkschaft Metall den wesentlichen Grund für die gesunkene Kaufkraft der Rentner. „Wir brauchen eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt“, fordert Martin Schindler, „nur so kann mittel- und langfristig die drohende Altersarmut verhindert werden.“ Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Wesermarsch hat das Thema in der letzten Delegiertenversammlung dieses Jahres zur Sprache gebracht.
Rentenerhöhungen müssten laut Martin Schindler weiterhin an die Entwicklung der Löhne und Gehälter gebunden sein. Deshalb sei eine wirksame Regulierung auf dem Arbeitsmarkt der richtige Weg gegen Altersarmut.
„In der Metall- und Elektroindustrie oder in der Stahlbranche sind die Löhne und Gehälter deutlich gewachsen“, betont Martin Schindler, „seit 2000 nominal um über ein Viertel.“ Hauptgründe für die gesamtwirtschaftlich niedrigen Lohnsteigerungen seien die Zunahme von Leiharbeit, anderen prekären Arbeitsverhältnissen sowie des Niedriglohnsektors.
Erster Schritt
Die jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Änderungen zur Leiharbeit sind für Martin Schindler ein Schritt in die richtige Richtung, weitere müssten noch folgen. Für die rund 900 000 Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche gilt vom 1. Januar an ein Mindestlohn. Er liegt bei 7,01 Euro in Ostdeutschland und 7,89 Euro im Westen. „Das ist viel zu wenig“, meint Martin Schindler.
Eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) billigte das Bundeskabinett am 20. Dezember. Sie fordert die Tarifparteien auf, ‚‚auch den zweiten Schritt zu tun und sich auf einen Zeitpunkt zu einigen, ab dem Zeitarbeiter in einem Betrieb den gleichen Lohn erhalten sollen wie die Stammbelegschaft’’. Sollten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im ersten Quartal 2012 nicht einigen können, werde die Politik ihre Zusage aus dem Hartz-Kompromiss einlösen. Dann werde sie ‚‚den richtigen Zeitpunkt’’ für das sogenannte Equal Pay durch eine Expertenkommission ermitteln lassen, kündigte die Ministerin an.
Für die IG Metall Wesermarsch ist das eine Steilvorlage, damit die Probleme mit den Zeit- und Werkverträgen geregelt werden. Martin Schindler freut sich darüber, dass das Problem prekärer Beschäftigung nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch beim konservativen Teil der Politik angekommen ist. „ Gelöst ist damit natürlich noch nichts“, sagt er, „die Themen Leiharbeit, Werkverträge und andere Formen prekärer Beschäftigung bleiben auf der Tagesordnung.“
Mindestlohn per Gesetz
Ein gesetzlicher Mindestlohn für alle Branchen würde für viele Beschäftigten die Einkommen spürbar verbessern und damit eine positive Wirkung auf die Renten haben. So betrage beispielsweise in der niedrigsten Entgeltgruppe der Unterschied zwischen Tarifbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie und Leiharbeitern 776,50 Euro monatlich.
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