Unterschrift kostet 3813 Euro
Nordvision Firma aus Mexiko will Ausstellern Internet-Anzeigen unterjubeln
Karin Meißner-Brown lacht über das Schreiben, auf dem sie mit ihrer Unterschrift bei einer mexikanischen Firma Anzeigen-Aufträge für 3813 Euro bestellen soll BILD: Henning Bielefeld 
von Henning Bielefeld
Nordenham - Eine Firma mit Sitz in Mexiko-Stadt will an der Messe Nordvision mitverdienen. Sie hat zahlreichen Unternehmen in Nordenham und Umgebung einen Brief geschickt, indem es angeblich um „die Aktualisierung Ihrer bestehenden Daten im Ausstellerverzeichnis“ geht. Wer den Brief ausfüllt und unterschrieben zurückschickt, bucht aber tatsächlich Anzeigen im Internet.
„Das ist Abzocke“, empört sich Karin Meißner-Brown, die Inhaberin der Blumenboutique an der Bahnhofstraße. Schon zwei Briefe dieser Art hat sie in den vergangenen Wochen bekommen – und postwendend in den Papierkorb geworfen.
Pesos gern gesehen
Die entscheidenden Sätze stehen, wie so oft, ganz unten im Kleingedruckten. Wer den Brief mit dem angeblichen Daten-Abgleich unterschrieben an eine Adresse im hessischen Niederaula schickt, bucht drei Jahre lang Anzeigen auf der Homepage der Firma. „Der jährliche Betrag beläuft sich auf 1271 Euro oder sein Equivalent in mexikanischen Pesos zum Umrechnungskurs am Tag der Zahlung“, heißt es wörtlich im Kleingedruckten. Das sind insgesamt 3813 Euro.
Diesen Brief hat fast jeder Unternehmer bekommen, der schon einmal bei der Nordvision ausgestellt hat, sagt Ilona Tetzlaff: „Einer hat auch unterschrieben.“ Ilona Tetzlaff ist die Geschäftsführerin von Nordenham Marketing und Touristik (NMT) und akquiriert für die beiden Veranstalter Udo Venema und Uwe Lenz Aussteller.
Auch Ilona Tetzlaff empfiehlt, den Brief in die „Rundablage“ zu werfen. Denn: „Wir haben keine Handhabe gegen dieses Unternehmen, weil es nicht das offizielle Logo der Nordvision nutzt.“ Unternehmer, die bei der Messe ausstellen wollen, sollten nur auf Schreiben reagieren, die dieses offizielle Logo enthalten und zudem entweder von ihr oder von den beiden Veranstaltern unterschrieben worden sind.
Auch der Veranstalter Udo Venema ist verärgert: „Solche Schreiben werden bundesweit verschickt“, sagt er, „die bekommt fast jeder, der irgendwann irgendwie an irgendeiner Messe teilgenommen hat. Wenn die Masche auch nur bei einem Prozent der Empfänger verfängt, haben die Absender ein super Geschäft gemacht.“
An die Daten zu kommen, sei für die Mexikaner wegen des Internets überhaupt kein Problem, sagt der Abbehauser Hotelier: „Wir sind so was von gläsern, das glaubt kein Mensch.“ Auch Venema sieht keine ernsthafte Möglichkeit, gegen die Firma mit Sitz in Mexiko vorzugehen. Das werde viel Geld kosten.
Mit Abzocke rechnen
Ilona Tetzlaff macht darauf aufmerksam, dass Messeteilnehmer generell mit dieser Form der Abzocke rechnen müssen. Wer einmal in einem Aussteller-Verzeichnis aufgetaucht sei, werde immer wieder aufgefordert, seine Daten für Handelsregister oder Einträge in Branchentelefonbücher zu bestätigen – und müsse dann viel dafür bezahlen. Deshalb sollte jeder Unternehmer trotz des Messestresses genau darauf achten, was er unterschreibe.
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