Rhythmus-Reise für Abenteurer
Konzert Percussionkünstler Alexej Gerassimez begeistert Publikum in der Jahnhalle
Alexej Gerassimez lässt die Schlegel über Marimba, Becken und Kochutensileien tanzen. Der 24-Jährige begeisterte seine Zuhörer mit einer berauschenden Reise in eine exotische Musikwelt. BILD: Jens Milde 
von Jens Milde
Nordenham - Am Ende bleibt nur noch Staunen. Und Begeisterung. Und das Bedürfnis, all denen, die es nicht gehört haben, davon zu erzählen. Das Konzert, zu dem die Goethe-Gesellschaft am Donnerstag in die Jahnhalle eingeladen hatte, ist wie eine Reise in eine fremde, faszinierende Welt. Spannend und entspannend, traumhaft schön und manchmal verstörend. Ein Erlebnis-Potpourri aus Musik. Danke für diese Erfahrung, dürften viele der 70 Besucher gedacht haben, die ins Kulturzentrum gekommen sind, um Alexej Gerassimez zu hören.
Der 24-Jährige ist ein Solo-Künstler an den verschiedensten Schlaginstrumenten. Und er hat ein Sammelsurium davon mitgebracht: Marimba, Vibrafon, Bongos, verschiedene Trommeln, ein Schlaginstrument mit treppenförmig angeordneten Hölzern, Becken, Kochtöpfe, Salatschüsseln.
Kunst auf der Snare-Drum
Alexej Gerassimez knöpft sich als erstes die Snare-Drum vor. Er bearbeitet sie mit Drumsticks und Besen, variiert die Lautstärke, setzt überraschende Akzente auf Kanten und Kessel, steigert das Tempo, bis einzelne Schläge zu Wirbeln verschmelzen. Er streichelt das Fell wie ein Baby, er massiert es mit Fäusten und Handballen. Er lässt die Besen kreisen. Eine beeindruckende Demonstration von Schlagtechniken. Unglaublich, was sich aus einer einfachen Trommel alles herausholen lässt.
Die Marimba dagegen lässt schon erahnen, dass man mit ihr eine ganze Menge anstellen kann. Das Nationalinstrument aus Guatemala ist ein Xylofon so groß wie ein Kleinwagen. Klangstäbe aus Holz sorgen für filigrane Töne. Alexej Gerassimez kombiniert sie mit Schlägen auf eine handelsübliche Küchenausstattung. Töpfe und Schüsseln kommen zum Einsatz, Becken, ein Amboss, das Unterteil eines Mülleimers. Musik vom Band rollt einen sphärischer Klangteppich aus, in den sich genüsslich die Marimba-Küchenklang-Mixtur schmiegt.
„Temazcal“ im zweiten Teil des Konzerts ist wie ein abstraktes Hörgemälde. Komponiert wurde es von einem Mexikaner namens Javier Alvarez. Er wollte die Stimmung in einem alten Steinhaus der Maya vertonen, wie Alexej Gerassimez erklärt. Jenen emotionalen Zustand, in den sich die Ureinwohner versetzten, wenn sie wichtige Entscheidungen zu treffen hatten. Sie versammelten sich um die Feuerstelle, legten Pflanzen mit fantasieanregenden Substanzen in die Glut. Und während sie ihren Rauch verströmten, hofften sie auf Eingebung. Aus dem Lautsprecher wabern diffuse Klangmuster. Musik vom Band kritzelt Funksignale wie aus einer anderen Dimension in dieses Hörgemälde. Der Solist lässt dazu Maracas rasseln. Abgefahren, albtraumhaft, fesselnd, faszinierend – ein musikgewordener Drogenrausch.
Publikum begeistert
Das alles ist nichts für musikalische Pauschaltouristen, aber ein Erlebnis für all jene, die gerne über den Dosenrand millionenfach reproduzierter Pop-Konserven blicken. Das Publikum ist begeistert von dieser Reise in eine exotische Welt. Es fordert Nachschlag, wird für seinen hartnäckigen Beifall wenigstens einmal belohnt. Kompliment an die Goethe-Gesellschaft für dieses gelungene Experiment.
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