Schmuckstück von schlichter Schönheit
Kirche Neuer Kanzeldeckel ziert Atenser Gotteshaus – Ersatz nach fast 250 Jahren – 16 000 Euro Kosten
von Jens Milde
Atens - Wenn Pfarrer Hartwig Dede am kommenden Sonnabend in der Atenser Kirche predigt, dann wird er erstmals unter einem Kanzeldeckel stehen. Für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Nordenham ist ein seit langer Zeit gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Fast 250 Jahre fehlte im Atenser Gotteshaus ein Schalldeckel über der Kanzel. Nun hängt er dort, als habe er nie einen anderen Platz gehabt.
Handwerker haben den Deckel am Montag über der Kanzel aufgehängt. Die Kosten für die Neuanschaffung liegen bei 16 000 Euro. Die Hälfte davon hat die Kirchbaustiftung der evangelischen-lutherischen Kirche Oldenburg beigesteuert. Der Kirchbauverein hat 7000 Euro gegeben. Außerdem haben die Kulturstiftung Nordenham und die Regionalstiftung Jade-Wirtschaftsraum das Vorhaben mit jeweils 500 Euro unterstützt.
Über die Anschaffung eines Kanzeldeckels wird schon seit über 20 Jahren im Kirchbauverein diskutiert – und zwar durchaus kontrovers. Wie Hartwig Dede berichtet, wurde angesichts der Kosten völlig zu Recht die Frage aufgeworfen, ob die Atenser Kirche tatsächlich einen solchen Kanzeldeckel braucht. Auch Hartwig Dede selbst war sich da nicht immer ganz sicher. Aber die großzügigen Spenden waren ein gutes Argument, das Vorhaben endlich in Angriff zu nehmen.
2010 wurden die Planungen immer konkreter. Und im vergangenen Jahr bekam das Oldenburger Architektur-Büro Angelis und Partner den Auftrag, einen Entwurf anzufertigen. Zeichnungen des früheren Kanzeldeckels gab es nicht. Aber es gibt eine Kanzel, die der in der im Atenser Gotteshaus sehr ähnlich sieht. Sie steht in einer kleinen Kirche in Pakens bei Hooksiel und diente als Orientierungshilfe. Die Aufgabe bestand darin, den Deckel so zu gestalten, dass er zur Kanzel passt und sich optisch gut in die Kirche einfügt. Dieses Vorhaben ist nach Ansicht von Hartwig Dede sehr gut gelungen.
Dazu beigetragen haben auch der Tischler Arno Eichholz aus Großefehn, der den Deckel in Handarbeit angefertigt hat, und die Restaurateurin Sybille Popken aus Burwinkel bei Moorriem, die für den Feinschliff zuständig war. Den gesamten Entstehungsprozess hat Achim Knöfel von der Denkmalschutzbehörde des Oberkirchenrats begleitet.
Im Deckel, der aus Eichenholz gefertigt ist, finden sich die grünen Edelstein-Imitate wieder, die auch die Kanzel zieren. Am Rand des Sechsecks steht der Bibelspruch „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“. Er stammt aus dem achten Kapitel Nehemia im Alten Testament. Unter der Kuppel leuchtet ein mit feinstem Blattgold überzogenes Sonnensymbol.
Die Kanzel in der Atenser Kirche stammt nach den Worten von Hartwig Dede aus dem Jahr 1618. Der damalige Pfarrer Johannes Lüken hat sie gestiftet. Die Atenser Kirche ist mehr als 500 Jahre alt. Ihr Bau wurde 1505 fertiggestellt. Der Kanzeldeckel wurde 1774 abgenommen, vermutlich, weil er baufällig war. Anschließend ist er nie wieder ersetzt worden – bis heute.
Hartwig Dede ist inzwischen überzeugt, dass es gut war, sich für die Anschaffung des Kanzeldeckels einzusetzen. „Es ist unsere Aufgabe, das Haus Gottes zu erhalten und zu schmücken“, sagt er.
NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv
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