In vielen Fällen hilft nur noch der Abriss
Haushalt Demografischer Wandel ist Thema – Bis zu 1000 neue Arbeitsplätze in Nordenham
Wie gemalt, und doch bittere Realität: Leerstände in einer Häuserzeile an der Niedersachsenstraße in Einswarden. Niedersachsenstraße Nordenham Eiswarden BILD: BILD: Ulrich SchlüterUlrich Schlüter 
von Ulrich Schlüter
Nordenham - Erst auf den Hinterhöfen an der Niedersachsenstraße in Einswarden wird deutlich, in welch einem maroden Zustand sich einige Häuser dieses Straßenzuges befinden. Daher zielte auch ein Antrag der FDP bei der Sitzung des Finanzausschusses am Mittwoch darauf ab, 10 000 Euro im Ergebnishaushalt 2012 für ein Gutachten bereit zu stellen. Manfred Wolf führte aus, dass geklärt werden sollte, ob mit Fördermitteln für den Abriss von nicht mehr benötigtem Wohnraum in Nordenham zu rechnen sei.
Bürgermeister Hans Francksen machte deutlich, dass keine Experten nötig wären. „Wir haben die Fachleute in den eigenen Reihen. Das Geld können wir sparen.“ Es sei viel entscheidender, dass die Bestände an Häusern und Wohnungen in Einswarden, die marode sind, sich in internationaler Hand befinden würden. Die Stadt könne nicht eingreifen. Der Druck auf die Eigentümer müsste daher erhöht werden. Laut Hans Francksen befasst sich die Wohnungswirtschaft schon seit vielen Jahren unter dem Aspekt demografischer Wandel mit dem Problem der Leerstände und bemüht sich, attraktiven Wohnraum auch für ältere Menschen in Stadtnähe zu schaffen.
Leerstände bekämpfen
Mit dem Antrag stieß Manfred Wolf eine Diskussion an. Man sollte sich über den Wohnungsnotstand unterhalten und den Wohnraum nicht Spekulanten in den Rachen werfen, sagte Hajo Janssen (Grüne). Auch Horst Wreden (CDU) und Joachim Gorges (WIN) gaben dem FDP-Mann recht, die Leerstände endlich auch konzeptionell zu bekämpfen. Manfred Brunßen (SPD) sagte, dass seine Partei den Antrag zwar unterstütze, die 10 000 Euro für eine Expertise jedoch nicht erforderlich seien. Dass rund 1000 Wohnungen in Nordenham leer stehen würden, davon Hunderte in Einswarden, erwähnte Kurt Winterboer (SPD). Er sprach von einem Gerücht, dass an der Niedersachsenstraße ein Straßenzug abgerissen werden sollte, um Parkplätze zu schaffen. Der Antrag wurde mit zwei Ja- gegen 13 Nein-Stimmen abgelehnt und somit den Argumenten des Bürgermeisters vertaut.
In einem Gespräch am Donnerstag präzisierte Hans Francksen seine Ausführungen. Die GNSG würde in Einswarden über 170 Wohnungen verfügen. Der Löwenanteil von 550 Wohnungen würde die Gladbau KG besitzen. Während bei der GNSG etwa zwei Prozent der Wohnungen nicht vermietet seien, betrage der Anteil bei der Gladbau – das Unternehmen gehört zu einem internationalen Immobilienfonds – rund 40 Prozent. Entscheidend für die Wohnsituation in Einswarden sei gewesen, dass sich Airbus damals von den Weser Wohnstätten GmbH getrennt habe und sich Spekulanten, die nicht investierten, der Objekte bemächtigten.
Während sich in Einswarden die Eigentümer konzeptionell mit der Stadt austauschen sollten, gibt es laut Hans Francksen für andere städtische Brennpunkte mittlerweile „Instrumentarien“. Im Zuge des City-Süd-Förderprogramms seien bereits mehrere marode Häuser abgerissen worden. Für das Wesertor hätten 40 Wohnungen weichen müssen. In Blexen sei das Dorferneuerungsprogramm platziert worden.
Deutlich mehr gebaut
In Nordenham würde zudem deutlich mehr gebaut als anderswo. Er sprach von Mehrgeschossbauten und auch von Eigenheimen im Umfeld des Stadtzentrums. Dieser Markt werde wie eine Blüte aufgehen. Wegen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung rechnet der Bürgermeister mit bis zu 1000 neuen Arbeitsplätzen in Nordenham. Das sei eine Grundlage, den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenzuwirken.
Über den Haushalt 2012 wird die NWZ ausführlich am Sonnabend berichten.
Ein Thema war auch der Ausbau der Fritz-Reuter-Straße, die nun 2013 saniert werden soll. Neben einer neuen Kanalisation (550 000 Euro) soll auch der geklinkerte Teil der Straße saniert werden (640 000 Euro). Für diesen Bereich würden die Anlieger aufgrund der Straßenausbaubeitragssatzung zur Kasse gebeten. Im Bereich des asphaltierten Teils soll eine Kernbohrung den Untergrund sondieren und Aufschluss darüber geben, ob man es bei einer Reparatur belassen kann, ohne die Anlieger zu belasten.
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