NORDENHAM, 23. Februar 2012


Ohne „Schrotflinte“ gegen alte Feinde

Gesundheit Wesermarsch-Klinik will Standards für den gezielteren Einsatz von Antibiotika einführen


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Dr. Hagen Behnke bereitet eine Antibiotika-Infusion vor. Künftig soll das Medikament gezielter eingesetzt werden. BILD: Jens Milde  Bild vergrößern

Das Krankenhaus will einen Beitrag leisten, um die Ausbreitung multiresistenter Keime einzudämmen. Eine Fortbildung dazu hat der Hygienebeauftragte Hagen Behnke absolviert.

von Jens Milde

Nordenham - Die Nordenhamer Wesermarsch-Klinik will mit neuen Strategien alte Feinde bekämpfen. Bei den Feinden handelt es sich um Erreger, die schwere Infektionen auslösen. Seit Jahrzehnten setzt die Medizin auf Antibiotika. Aber nicht immer werden diese Medikamente zielgerichtet eingesetzt. Die Folge ist, dass viele Bakterien Resistenzen entwickeln. Und weil sie die tückische Eigenschaft haben, Informationen untereinander auszutauschen, breiten sich multiresistenten Keime immer weiter aus. An vielen Kliniken in ganz Deutschland sollen deshalb nun neue Standards für den Einsatz von Antibiotika eingeführt werden.


Fortbildung absolviert
Der Rhön-Konzern ist mit von der Partie. Der Hygienebeauftragte und Chefanästhesist der Wesermarsch-Klinik, Dr. Hagen Behnke, gehört zu den ersten von rund 100 Medizinern in Deutschland, die eine Fortbildung zum gezielteren Einsatz von Antibiotika abgeschlossen haben. Seine Chefarzt-Kollegen Dr. Marcus Relitz und Dr. Gerald Zinn werden folgen. Neudeutsch nennt sich die Initiative „Antibiotic Stewardship“ (ABS). Dass ein relativ kleines Haus wie die Wesermarsch-Klinik bei diesem brandaktuellen Thema ganz vorne dabei ist, darüber freut sich auch der der Krankenhaus-Geschäftsführer Bodo Kleyensteiber.











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Nach den Worten von Hagen Behnke sind in naher Zukunft keine bahnbrechenden Fortschritte bei der Entwicklung neuer Antibiotika zu erwarten. Ziel muss es deshalb sein, die Ausbreitung multiresistenter Keime einzudämmen. „Früher wurde bei Entzündungen nicht selten ins oberste Regal gegriffen“, sagt Gerald Zinn. Heute geht es darum, eine „rationale Verordnungspraxis von Antiinfektiva“ sicherzustellen.

Die Wesermarsch-Klinik will für den Einsatz von Antibiotika Standards einführen. Das beginnt bei einer möglichst exakten Diagnostik. Sie ist erforderlich, um den Erreger genau zu identifizieren. Das hilft bei der Auswahl des Antibiotikums.

Auf Breitbandantibiotika, die Schrotflinten aus dem obersten Regal des Apothekerschränkchens, können die Ärzte oftmals verzichten, wenn sie wissen, mit welchem Feind sie es zu tun haben. Zu den neue Strategien im Kampf gegen Infektionen gehören aber auch die Art der Verabreichung, die Dosierung und die Dauer der Anwendung. Es sei nicht immer erforderlich, ein Antibiotikum so lange zu nehmen, bis die Packung leer ist, sagt Hagen Behnke. Für ihre Patienten verspricht sich die Wesermarsch-Klinik das „beste klinische Behandlungsergebnis bei minimaler Toxizität“. Auch die Kosten für die Medikamente können reduziert werden.


Kosten senken
„Multiresistente Keime sind ein gesellschaftliches Problem“, sagt Marcus Relitz. Um ihre Ausbreitung einzudämmen, reicht es langfristig nicht aus, wenn die Kliniken mit guten Beispiel vorangehen. Wie Marcus Relitz mitteilt, werden in der Tierhaltung tonnenweise Antibiotika oft auch prophylaktisch eingesetzt. Der vernünftige Umgang von Antibiotika ist auch für die niedergelassenen Ärzte ein wichtiges Thema. Deshalb plant die Wesermarsch-Klinik ein Informationsangebot für die Kollegen. Es wird voraussichtlich im November stattfinden.






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