RODENKIRCHEN, 8. Februar 2012


„Wir hatten damals viel Glück“

Sturmflut Heinz Brandes hat mit Sandsäcken gegen die Wassermassen gekämpft


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Vor 50 Jahren: Mit Laufbändern wurden die Sandsäcke auf den Deich geschafft. BILD: privat  Bild vergrößern

Der Rodenkirchener wurde damals für den Katastropheneinsatz eingeteilt. Alle mussten mithelfen.

von Martin Fitzl

Rodenkirchen - Kalt war es, als Heinz Brandes wie so viele andere Männer seines Ortes am zerstörten Deich stand. Als sie zur Schaufel gegriffen und Sandsäcke befüllt haben. „Wahnsinnig kalt“, erinnert sich der 77-Jährige aus Rodenkirchen. Das war vor 50 Jahren, 1962, als die Sturmflut über Norddeutschland hereinbrach.

Heinz Brandes wurde damals von der Gemeinde zum Katastropheneinsatz aufgerufen. „Jeder musste mithelfen“, sagte er. Egal ob Arbeiter oder Geschäftsmann. Auf dem Marktplatz in Rodenkirchen standen schon Busse bereit, die Heinz Brandes, seinen Bruder und andere Männer aus dem Ort nach Stollhamm gefahren haben.

Dort mussten sie Sandsäcke befüllen. „Das war schon körperlich anstrengend“, sagt Heinz Brandes. Ein Sack habe rund 30 Pfund gewogen, schätzt er. Am nächsten Tag ging es zum Deich nach Augustgroden. „Da wurden die Sandsäcke mit Loren zum Deich gefahren“, sagt Heinz Brandes. Wie das alles so schnell organisiert wurde, darüber staunt der 77-Jährige noch heute.

Mit anderen Helfern, 30 waren es wohl, schätzt Heinz Brandes, musste er die Säcke auf die Loren wuchten. mit Laufbändern wurden sie auf den Deich gebracht. Von dort aus ging es nochmals mit Loren weiter zu den Schadensstellen.

„Wir wurden mit heißem Tee mit Rum versorgt“, sagt Heinz Brandes. Das habe die Bundeswehr übernommen. Mittags gab es dann Erbsensuppe. „Wir haben uns gefreut, dass es etwas Warmes gab“, sagt er. Es war so kalt, dass sich die Arbeiter einen Windschutz gebaut haben. So beschäftigt war Heinz Brandes damals, dass er sogar seinen Geburtstag vergessen hat: der 17. Februar.


Drei Tage im Einsatz
Wenn sich Heinz Brandes erinnert, dann mit Stolz. „Wir haben was geleistet“, sagt der Rodenkirchener. Ein bisschen Wehmut ist allerdings auch dabei. Viele von den damaligen Helfern sind nicht mehr am Leben. Heinz Brandes erinnert sich an die meisten von ihnen, wenn er sein Fotoalbum durchsieht. Drei Tage war er im Einsatz. Angst hatte er damals nicht bei den Deicharbeiten.


Angst auf dem Deich
Die Angst kam, als er während der Sturmflut auf dem Abser Deich stand. „Es hätten nur 30 Zentimeter gefehlt, dann wäre der Abser Deich überspült worden“, sagt er kopfschüttelnd und fügt hinzu: „Dass der Deich gehalten hat, da haben wir damals viel Glück gehabt.“ Denn hätten die Deiche nicht gehalten, wären alle abgesoffen, ist sich Heinz Brandes sicher.

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„So etwas kann heute auch noch passieren“, ist sich der 77-Jährige sicher. Dennoch ist und bleibt er Rodenkirchener. Heute wohnt er in seinem Elternhaus in der Nähe des Abser Deiches. „Ich bin hier geboren und hier geblieben“, sagt er mit breitem Lächeln.



 @ Alle Artikel zur Sturmflut finden Sie unter http://www.NWZonline.de/50-jahre-sturmflut Wer eigene Erlebnisse zur Sturmflut vom 16. Februar 1962 beitragen kann oder Fotos hat, ist herzlich eingeladen, sich in der NWZ  -Redakton Nordenham zu melden unter Telefon     04731/99 88 22 05, Fax 04731/99 88 22 09 oder per E-Mail an flutkatastrophe@nordwest-zeitung.de.






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