Forscherin: Kaum noch sicheres Asyl für Flüchtlinge
EXIL Wenig Unterstützung für politisch Verfolgte – Migranten fassen schwer in neuer Heimat Fuß
Bremerhaven - Weltweit haben Flüchtlinge nach Expertenansicht heute kaum noch Chancen auf sicheres Asyl. Zu Zeiten der Nazi-Herrschaft seien Exilanten gezielt in bestimmte Länder gegangen und dabei auch unterstützt worden, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft für Exilforschung, Ursula Langkau-Alex, in Bremerhaven.
„Heute sind Flüchtlinge dagegen praktisch rechtlos und auf sich gestellt. Mittlerweile handelt es sich um Massenbewegungen, bei denen sich Menschen scharenweise von einem Land zum anderen bewegen“, so die Forscherin.
Bleiberecht
Zumindest in den Anfangsjahren des Nationalsozialismus habe es geregelte Auswanderungs- und Fluchtmöglichkeiten für Verfolgte gegeben, sagte Langkau-Alex. Anders als heute „gab es offizielle Organisationen und wurden Verträge über die Bleiberechte geschlossen“, so die Historikerin. Als Konsequenz besaßen Exilanten zu Zeiten des Dritten Reiches „einen klaren Status mit Papieren oder durch die Anerkennung als Staatenlose“, sagte Langkau-Alex. Heute müssten Flüchtlinge dagegen damit leben, dass sie von einem Land zum anderen geschoben würden, ohne zu wissen, wo sie eine Bleibe finden. Zumindest in den ersten Jahren des Nazi-Regimes konnten sich politisch Verfolgte laut Langkau-Alex noch gezielt auf die Auswanderung in ein Exilland vorbereiten. „Heutzutage gelingt denen, die tatsächlich politisch verfolgt und bedroht sind, nicht einmal mehr die Flucht aus dem eigenen Land“, erklärte die Wissenschaftlerin im Deutschen Auswandererhaus.
Neue Aufgaben
Angesichts der Veränderungen der Situation von Flüchtlingen stehe auch die Exilforschung vor neuen Aufgaben: „Wir werden uns künftig stärker als bisher der Gegenwart widmen müssen.“ Ähnlich wie in den 30er und 40er Jahren stehen Migranten nach Ansicht von Langkau-Alex vor der Schwierigkeit, in der neuen Heimat Fuß zu fassen, ohne die alte Heimat zu verlieren. „Man kann entweder in die Breite oder in die Tiefe wurzeln“, so Langkau-Alex. „Für Migranten ist es immer gut, durch breite Wurzeln Standfestigkeit zu gewinnen, ohne zu fest mit der neuen Heimat zu verwachsen.“
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