„Bremer sind nicht ängstlich“
Aktionstag Initiative fordert mehr Mut, Respekt und Toleranz im Alltag
Wiesen sich mit ihrem Handabdruck auf eine weiße Wand als Unterstützer der Zivilcourage-Initiative aus: Bürgerschaftspräsident Christian Weber (v. l.), Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer, Senatorin Anja Stahmann und Norbert Kuntze, Sprecher der Initiative „Tu was! Zeig Zivilcourage!“. BILD: Sussek 
von Ralf Sussek
Bremen - Der Fall Dominik Brunner vor zwei Jahren in München ist einer der spektakulärsten Fälle von Zivilcourage – mit dem Thema wird man aber auch in alltäglichen Situationen konfrontiert. Ein breites Bündnis veranstaltete am Montag auf dem Marktplatz den ersten „Tag der Zivilcourage“.
„Tu was! Zeig Zivilcourage!“ forderte die Initiative. Ziel ist eine Kooperation unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen, um die Perspektiven zum Thema Zivilcourage zu verbreiten und alltagsbezogene Aufklärung zu leisten. „Es ist nicht leicht, sich einzumischen, die Stimme zu erheben“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei der Eröffnung des Tags.
„Bremer sind nicht ängstlich, das hat die Geschichte gezeigt“, verweist Bürgerschaftpräsident Christian Weber (SPD) auf die „hanseatische Tradition“ und die Anti-NPD-Demo im April. „Man darf den anderen nicht das Feld überlassen.“
Die BSAG, die Polizei, der Verein „Bremen kommt“, der Flughafen, die Bremische Evangelische Kirche sind die Gründungsmitglieder der Initiative. Deren Sprecher Norbert Kuntze: „Es ist notwendig, Zivilcourage im Alltag der Menschen zu verankern, um physische und psychische Gewalt in bisherigem Umfang nicht mehr zuzulassen.“ Nicht zulassen wollen das auch der Weiße Ring, das Lidice-Haus, die Initiativen „Pro Meile“ und die „Nachtwanderer“ – sie alle waren an diesem Tag auf dem Marktplatz vertreten. Beim Weißen Ring gab es Infos für das richtige Verhalten vor und nach einer prekären Situation; die Jugendbildungsstätte Lidice-Haus zeigte ebenfalls Flagge. Die „Nachtwanderer“ warben für ihr neuestes Vorhaben. Bislang sind sie in kleinen Gruppen freitags und sonnabends zwischen 22 und 1 Uhr in Bremen-Nord, Huchting und Stuhr unterwegs und für Jugendliche da. Nun soll das ursprünglich aus Schweden kommende Projekt auch auf Osterholz ausgeweitet werden.
Engagiert zeigte sich auch die Werder-Stiftung und Anhänger des Vereins. Clubpräsident Klaus-Dieter Fischer verwies auf den Ehrenkodex für Mitarbeiter und Spiele und forderte „Respekt und Toleranz im täglichen Leben“. Die Toleranz sollte auch aufbringen, wer sich ein Faltblatt der Werder-Fans genau ansehe. „Keine Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, keine Zusammenarbeit mit den staatlichen Repressionsorganen!“, heißt es darin.
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