BREMEN, 6. Oktober 2011


Stärker für das Erbe kämpfen

Archäologie Altertumsforscher gründen Dachverband – 650 Kongressteilnehmer


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Die Ur- und Frühgeschichte fasziniert – das Bremer Focke-Museum reagierte in diesem Jahr mit der Einrichtung einer neuen Dauerausstellung darauf. BILD: dpa  Bild vergrößern

Die Körperschaft soll die Lobbyarbeit vereinfachen. Hobbyforscher gefährden sich selbst.

von Thomas Kuzaj

Bremen - Deutschlands Archäologen wollen mehr Einfluss auf politische Entscheidungen gewinnen. So gründeten sie am Mittwoch in Bremen einen Dachverband für Archäologie, der mit dem Gewicht von mehreren tausend Mitgliedern auftreten soll.

Gewiss – die Archäologie ist populär wie kaum eine andere Wissenschaft. Schon das große öffentliche Interesse an Ausgrabungen belegt das. Gleichwohl spüren die Fachleute die Notwendigkeit, geschlossener in Erscheinung zu treten. Das soll einerseits die Dezentralität abmildern, die sich aus der Kulturhoheit der Länder ergibt – und andererseits die Kräfte bündeln.

Stärker als bisher wolle man sich äußern, sagte am Mittwoch der Vorsitzende des Präsidiums der Deutschen Altertumsverbände, Professor Hermann Parzinger, am Rande des siebten Deutschen Archäologiekongresses in Bremen.

650 Teilnehmer tagen seit Montag auf dem Areal der Bremer Universität. Unter ihnen sind auch Wissenschaftler aus Holland, Dänemark, Großbritannien und Litauen, so Professorin Uta Halle. Die Bremer Landesarchäologin hat die Tagung organisiert.

Durch die Gründung des deutschlandweiten Dachverbands erhoffen sich die Archäologen eine deutlich wirkungsvollere Lobbyarbeit. Dabei gehe es nicht allein um Forschungsgelder, hieß es gestern. Es gehe auch, so Parzinger, um „das kulturelle Erbe, das im Boden steckt“ – und das durch naturräumliche Veränderungen, Baumaßnahmen und Witterungseinflüsse gefährdet sei – und auch durch illegale Grabungen von Hobby-Forschern.

Professor Claus von Carnap-Bornheim, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung, beklagte unter anderem den „unkontrollierten Einsatz von Metalldetektoren“, die im Handel zu haben sind – und deren Einsatz zu Bodenplünderungen führen kann. Mitunter sei das sogar lebensgefährlich. So habe sich einmal ein Mann aus Oldenburg gemeldet und berichtet, er habe eine schnurgerade Straße von Oldenburg nach Bremen entdeckt. Gut, dass er nicht gegraben hat – es handelte sich nämlich um eine Gasleitung.

Wer sich in Bremen und der Region mit Archäologie beschäftigen möchte, kann dazu auch ein neues Buch zur Hand nehmen, das in die Grabungsgeschichte von Düne, Geest und Marsch führt – und dabei Bögen aus der Vor- und Frühgeschichte in die Gegenwart schlägt –„mit den neuesten Forschungsergebnissen“, wie Halle betont.

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Das Buch mit dem regional gefärbten Titel „Bremen und umzu“ kostet 21,95 Euro. Die Autoren beschreiben die Geschichte der archäologischen Forschung in Bremen ebenso wie Ausgrabungen aus Zeitepochen von der Steinzeit über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Hinzu kommen 30 Ausflugsziele – wie Rathaus und Böttcherstraße, Burganlage Syke und Achimer Hünenburg. Zeitgeschichtliche Archäologie spiegelt sich wider in der Aufnahme des Bunkers „Valentin“.






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