BREMEN, 10. Februar 2012


Frühchen-Tod: Mediziner schweigen

Untersuchung Früherer Chefarzt und andere Angestellte des Klinikums Bremen-Mitte verweigern Aussage


Die Aufklärung der Infektionswelle zieht sich hin. In der kommenden Woche wird die Geschäftsführung befragt.

von Irena Güttel

Bremen - Die Aufklärung der tödlichen Infektionswelle auf der Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte zieht sich hin. Der frühere Chefarzt der Kinderklinik, Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, hat am Donnerstag seine Aussage im Untersuchungsausschuss verweigert, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Auch die als Zeugen geladenen vier Oberärzte und zwei Hygieneexpertinnen wollten keine Angaben machen. In der kommenden Woche will der Ausschuss die Geschäftsführung des Klinikums Mitte zu den Vorfällen befragen.

Seit April 2011 hatten sich auf der Intensivstation für Frühchen mehrere Babys mit dem multiresistenten Darmkeim ESBL angesteckt. Drei Kinder starben im August und Oktober an der Infektion. Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) und die Öffentlichkeit erfuhren erst Anfang November von den Vorfällen. Kurz darauf entließ die Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) den zuständigen Chefarzt Huppertz. Er soll das Problem nicht rechtzeitig erkannt und notwendige Schritte eingeleitet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 58 Jahre alten Mediziner wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung.

„Wir sind der Meinung, dass nicht alle Zeugen ein komplettes Aussageverweigerungsrecht haben“, betonte die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Antje Grotheer (SPD). Das Gremium will nun mit dem Anwalt der Oberärzte und Hygienefachkräfte klären, ob diese sich zu einzelnen Punkten äußern können, ohne sich dabei selbst strafrechtlich zu belasten. Die Grünen schlossen einen Gang vors Amtsgericht nicht aus. Dieses könnte ein Zwangsgeld gegen die Zeugen verhängen, um sie zu einer Aussage zu bringen.

Der Untersuchungsausschuss soll aufklären, wie es zum Ausbruch des Erregers kommen konnte und wieso die zuständigen Behörden erst so spät davon erfuhren. Die Klinik-Leitung hatte im September das Gesundheitsamt eingeschaltet. Dieses informierte aber erst zwei Monate später das Ressort von Jürgens-Pieper. Ein Team vom Robert-Koch-Institut nahm die gesamte Abteilung unter die Lupe. Doch auch die Experten konnten am Ende nicht mehr klären, wie sich die Kinder dort mit dem Keim anstecken konnten.

An diesem Freitag wollen die Abgeordneten die Frühchenstation besuchen, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen.

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