Immer mehr Frauen stehen ihren Mann
Ehrenamt 15 weibliche Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst-Stadt – Im Einsatz bewährt
Im Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst-Stadt: Stefanie Radecke (rechts) und ihre Kameradin Annika Kuhlmann BILD: Feuerwehr 
von Christoph Bähr
Delmenhorst - Wenn der Alarm ertönt, muss es bei Stefanie Radecke schnell gehen. Die 28-Jährige eilt aus dem Haus, ihr Mann nimmt sich der drei Kinder an. Die wissen schon Bescheid: „Mama hat einen Einsatz.“ Stefanie Radecke ist Feuerwehrfrau. Seit 1998 ist sie in der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst-Stadt aktiv, vorher war sie in der Jugendfeuerwehr.
Die Delmenhorsterin ist eine von 15 Frauen unter den insgesamt 100 Mitgliedern ihrer Wehr. „Als ich 1998 anfing, waren wir nur vier oder fünf Frauen“, erinnert sich Stefanie Radecke. Erst in den letzten Jahren seien es immer mehr geworden. Ein Trend, der sich nicht nur in Delmenhorst, sondern in ganz Niedersachsen abzeichnet.
Anteil steigt rapide an
Seit 1978 sind Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren Niedersachsens erlaubt. In den letzten zehn Jahren ist ihre Anzahl rapide angestiegen, während immer mehr Männer den Dienst quittierten. Nach Angaben des Innenministeriums lag der Frauenanteil in Niedersachsens Wehren Ende des Jahres 2009 bereits bei über zehn Prozent.
Delmenhorst liegt mit 15 Prozent somit sogar über dem Durchschnitt. Ortsbrandmeister Dieter Speckels reicht das trotzdem noch nicht: „Wir wollen mehr Frauen für die Feuerwehr gewinnen. 15 Prozent sind immer noch wenig, wenn man diese in Relation zur Gesamtbevölkerung setzt.“ Daher werbe die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst-Stadt auf ihrer Internetseite gezielt um Frauen, so Speckels.
Der Deutsche Feuerwehr-Verband hat bereits mit Slogans wie „Frauen an den Brandherd“ oder „Frauen sind zu schwach . . . vertreten“ für Aufsehen gesorgt. Mehr weibliche Mitglieder sollen die Nachwuchssorgen vieler Wehren mindern. In Delmenhorst ist die Lage jedoch nicht so dramatisch wie andernorts: „Wir haben in den vergangenen Jahren durch die Jugendfeuerwehr einige neue Leute dazu bekommen“, sagt Dieter Speckels.
Oft verließen junge Feuerwehrleute jedoch nach der Berufsausbildung die Stadt. Dieses Problem könne auch eine höhere Frauenquote nicht lösen, glaubt Speckels. „Wir haben bei uns viele junge Frauen, die berufstätig sind. Da besteht genauso die Gefahr, dass sie Delmenhorst den Rücken kehren.“
Keine Sonderbehandlungen
Der Ortsbrandmeister setzt aus einem ganz anderen Grund auf mehr Feuerwehrfrauen: Sie haben sich ganz einfach bewährt. „Wie auch zierliche Frauen im Einsatz ihren Mann stehen, ist manchmal erstaunlich“, sagt der Ortsbrandmeister begeistert. Sonderbehandlungen gibt es nicht: „Wir werden genauso eingesetzt wie Männer und sind voll akzeptiert“, berichtet Stefanie Radecke. Sie lobt die Kameradschaft in der Feuerwehr in höchsten Tönen: „Wir verstehen uns gut und halten zusammen. Sicher wird mal ein blöder Spruch gemacht, aber dann gibt es halt einen Spruch zurück.“
In der Anfangszeit habe sie noch der Nervenkitzel der Einsätze gereizt, jetzt sei es vielmehr das Zusammensein mit Freunden, erzählt Stefanie Radecke. „Der Dienstagabend ist in jeder Woche mein Abend. Dann trifft sich die Freiwillige Feuerwehr. Das ist für mich eine schöne Abwechslung zu Haushalt und Kindern.“
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