Rollstuhlfahrer kommen nicht in den Zug
Serie Ehepaar Neddermann beklagt Schwierigkeiten beim Umsteigen in Delmenhorst – Rampe zu kurz
Problembereich: An Gleis 3 des Delmenhorster Bahnhofs reicht die Behindertenrampe der Züge an einer bestimmten Stelle nicht an den Bahnsteig heran. BILD: Wolfgang bednarz 
von Christoph Bähr
Nordenham - Es war ein schöner Tag für Renate (69) und Gerhard Neddermann (70). Das Ehepaar aus Nordenham besuchte die befreundete Wine Zülke in Bad Zwischenahn. Bei Kaffee und Kuchen wurde geplaudert und gelacht. Auf der Rückfahrt verging den Neddermanns, die beide auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind, jedoch das Lachen – am Delmenhorster Bahnhof. Als sie dort an Gleis 3 in den Regionalexpress nach Nordenham umsteigen wollten, kamen sie mit ihren Rollstühlen nicht in den Zug. Die ausgefahrene Behindertenrampe reichte nicht bis an den Bahnsteig heran.
„Der Lokführer ist sogar noch ein Stück vorgefahren, aber es hat nichts gebracht. Wir mussten den Zug ohne uns weiterfahren lassen“, sagt Gerhard Neddermann. Ein Bahn-Mitarbeiter habe ihnen daraufhin angeboten, ein Taxi zu rufen. Problem hierbei: Die schweren und sperrigen Elektrorollstühle der Neddermanns passen nicht in ein gewöhnliches Auto.
Also ging es für die Nordenhamer doch per Bahn weiter. „Über Lautsprecher wurden wir gebeten, uns an Gleis 1 einzufinden“, erinnert sich das Ehepaar. Dort nahm es die Nordwest-Bahn zum Bremer Hauptbahnhof. „Das Einsteigen klappte problemlos. In Bremen mussten wir jedoch über eine Stunde auf den nächsten Zug nach Nordenham warten“, berichtet Gerhard Neddermann.
Die Rückfahrt von Bad Zwischenahn nach Nordenham dauerte somit etwa fünfeinhalb Stunden – über zwei Stunden länger als die Hinfahrt, während der alles reibungslos geklappt hatte. „Das war ärgerlich und für uns eine Belastung. Als wir am späten Abend zu Hause ankamen, waren wir schon sehr erschöpft“, sagt Gerhard Neddermann.
Dass das Nordenhamer Ehepaar auf seiner Fahrt nach Hause solche Widrigkeiten überstehen musste, sei sehr bedauerlich, betonte die Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf NWZ -Nachfrage. In Delmenhorst gebe es auf dem 270 Meter langen Bahnsteig an Gleis 3 einen Bereich von etwa zehn Metern, in dem sich die Rampe für Behinderte nicht ausfahren lasse. „Das liegt daran, dass es dort etwas in die Kurve geht. Das Problem ist bekannt, und die Triebfahrzeugführer sind darüber informiert, wie sie diesen Bahnsteig anfahren müssen, damit es keine Komplikationen mit der Rampe gibt“, sagte Sabine Brunkhorst. Es gebe sogar eine Markierung am Bahnsteig, die ihnen zeige, wo sie anhalten müssten.
Warum der verantwortliche Lokführer dies im Falle der Neddermanns nicht berücksichtigte, kann sich die Bahn-Sprecherin nicht erklären. „Wir werden den Fall zum Anlass nehmen, die Triebfahrzeugführer nochmals über die Besonderheit an Gleis 3 zu informieren.“ Außerdem soll die etwas verblichene Kennzeichnung an dem Bahnsteig erneuert werden, verspricht Sabine Brunkhorst.
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