MRSA-Keim den Kampf angesagt
Krankenhaus-Infektionen Klinikum überprüft Patienten auf Staphylococcus aureus
So geht’s: Horst Freitag, Krankenhaus-Hygieneexperte (links), nimmt einen Abstrich bei dem medizinisch-technischen Assistenten Christoph Bresinski vor. BILD: wolfgang bednarz 
von Wolfgang Bednarz
Delmenhorst - Die Zahlen sind beunruhigend: Rund eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an einer Staphylococcus-aureus-Infektion, für zehn- bis 15 000 von ihnen verläuft die Erkrankung tödlich. In Krankenhäusern gibt es jährlich 150 000 Infektionen. Das an sich harmlose Haut- und Schleimhautbakterium kann Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln und im Falle des Eindringens in eine großflächige Wunde zu schwersten Komplikationen führen. Gefährdet sind Patienten, die sich einer größeren Operation unterziehen müssen.
Für Dr. Rüdiger Schlick, ärztlicher Direktor des Klinikums Delmenhorst, ist der Fall klar: „Die Ärzte haben mit ihren Antibiotika–Therapien nur so um sich geworfen“ und damit die Ausbreitung der so genannten Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Bakterienstämme (MRSA), die gegen die gebräuchlichsten Antibiotika immun sind, begünstigt. 30 Prozent der Bevölkerung seien, ohne davon etwas zu wissen, Träger des Keimes, rund ein Viertel von ihnen sind mit Antibiotika-resistenten Keimen besiedelt. Würden diese Menschen operiert oder kämen sie in Kontakt mit einem frisch operierten Patienten, könne es zu einer Infektion kommen, so Schlick.
Um die Verbreitung der MRSA-Keime zu untersuchen und damit in der Konsequenz die Zahl der Krankenhaus-Infektionen einzudämmen, findet im Klinikum Delmenhorst in der kommenden Woche vom 22. bis 27. August ein so genanntes MRSA-Screening statt. Alle Patienten werden um einen Abstrich gebeten, der labormedizinisch auf MRSA untersucht wird. Der Abstrich wird bei der Aufnahme ins Krankenhaus mit einem Wattetupfer aus Rachen und Nase entnommen. Die Untersuchung ist freiwillig und schmerzfrei. Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule werden gemeinsam mit Lehrkräften und der Hygienefachkraft Horst Freitag die Patienten aufklären, den Abstrich nehmen und für Fragen zur Verfügung stehen. Die Patienten werden zudem gebeten, einen Erhebungsbogen zur Erfassung von Risikofaktoren auszufüllen. Die Daten werden anonymisiert im Landesgesundheitsamt ausgewertet.
Das MRSA-Screening wurde in diesem Jahr bereits in 32 Krankenhäusern entlang der deutsch-niederländischen Grenze im Rahmen eines EU-Projekts durchgeführt.
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