DELMENHORST, 13. Januar 2012


„Opfer wird Prozess gemacht“

Justiz Amtsgericht verhandelt über Schlägerei zwischen Rechten und Linken


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Wollen dem Angeklagten seelische Unterstützung bieten: Christine Schober (links) und Katharina Baehr vom DGB-Arbeitskreis „Forum gegen Rechts“. BILD: Marius Meyer  Bild vergrößern

Die Geschehnisse hatten im März 2010 auf dem Marktplatz stattgefunden. Zeugen sehen im vermeintlichen Opfer den eigentlichen Täter.

von Marius Meyer

Delmenhorst - „Es wird dem Opfer der Prozess gemacht“, ist Katharina Baehr sich sicher. Sie steht am Donnerstag mit einem großen Anti-Nazi-Plakat und einigen Mitstreitern bei unangenehmen Wind und Nieselregen am Rathaus. Sie halten eine Mahnwache, mit Blick auf das Amtsgericht. Dort findet gerade eine Verhandlung statt, in der ein 22-jähriger Delmenhorster wegen einfacher Körperverletzung angeklagt ist. Am 4. März 2010 kam es auf dem Marktplatz zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen, die der rechten und der linken Szene zugehören. Die Staatsanwaltschaft wirft Patrick M. vor, den Neonazi Mario M. zu Boden getreten zu haben. Doch Baehr und die anderen Teilnehmer der Mahnwache sind sich sicher, dass die Gewalt von Mario M. und dessen Begleiterin Alicia N. ausging.

Die Frage, von wem die Gewalt zuerst ausging, ist bedeutend. Denn es könnte sein, dass der Angeklagte in einer Notwehrsituation gehandelt hat. So sieht es Rechtsanwalt Jan Sürig, der Patrick M. verteidigt.


Socke als Waffe
Vor den Geschehnissen auf dem Marktplatz waren Mario M. und seine Begleiterin aus einer Ausstellung des niedersächsischen Verfassungsschutzes gegen Rechtsextremismus geworfen worden, die im Rathaus stattfand. Nach Angaben von Mario M. trafen die beiden vor dem Rathaus auf eine Gruppe linker Jugendlicher. Er sei auf sie zugegangen, um ihnen zu sagen, dass sie ruhig bleiben sollten, da die Polizei gerade kommen würde. Im Verlauf seiner Zeugenvernehmung räumte Mario M., das vermeintliche Opfer, aber ein, dass er dabei nicht nur einen Zahnschutz getragen hatte, sondern auch mit einem Strumpf gedroht hatte, in der sich ein schwerer Gegenstand befand.

Diese improvisierte Waffe, die Mario M., so eine Zeugenaussage, „wie ein Lasso“ über dem Kopf geschwungen haben soll, war am Donnerstag für das Gericht nicht verfügbar. Den Prozessbeteiligten wurden Fotos gezeigt, auf denen der schwere Metallgegenstand abgebildet war, der sich in der Socke befunden hatte. Menschen, die diese Fotos bereits gesehen haben, berichteten der NWZ, dass es sich um eine Überwurfmutter handelte, mit der Hantelgewichte fixiert werden – eine Beschreibung, die von der Aussage eines Polizisten vor Gericht bestätigt wurde. Mit dieser Waffe verletzte Mario M. mindestens einen der anderen Jugendlichen.


De La Lanne war Zeuge
Insgesamt hatte das Gericht 14 Zeugen geladen, darunter auch Delmenhorsts Oberbürgermeister Patrick de La Lanne. Er hatte die Handgreiflichkeiten vom Rathaus aus beobachtet und sagte – wie auch einige der weiteren Zeugen – vor Gericht aus, dass die anderen Jugendlichen von Mario M. und Alicia N. angegriffen worden seien. Die junge Frau sei besonders aggressiv gewesen und habe die anderen mit „Karate-ähnlichen“ Tritten attackiert. Der „schmächtige, rothaarige Mann“, so beschrieb de La Lanne Mario M., habe einen „länglichen Gegenstand“ über dem Kopf geschwungen. Richter Thomas Pünjer wies den Oberbürgermeister allerdings darauf hin, dass er bei der Polizei etwas anderes zu Protokoll gegeben hatte. Damals habe er nicht sagen können, ob Mario M. einen Gegenstand zum Schlagen in der Hand gehabt habe. Andere Zeugen schilderten den Eindruck, dass die Gewalt von den linken Jugendlichen ausging,. Sie hatten jedoch den Beginn der Tätlichkeiten nicht sehen können.

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Fortsetzung folgt
Weil weitere Zeugen geladen werden sollen und am Donnerstag ein Dolmetscher fehlte, soll das Verfahren am 6. Februar fortgesetzt werden. Bis dann soll auch die Socke besorgt werden. Sie könnte, so Pünjer, beim Landeskriminalamt in Hannover liegen. Auch in einem anderen Verfahren dient sie als Beweisstück. Angeklagt dort: Mario M.




 

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