„Die Belange aller berücksichtigten“
Rathausplatz Neupflasterung mit Granit bleibt in der Kritik – Brief an den Oberbürgermeister
von Wolfgang Bednarz
Delmenhorst - Noch ist es nicht zu spät, in Sachen Neupflasterung des Rathausplatzes umzudenken und ein auch für Menschen mit Behinderung begehbares Pflaster einzubauen, findet Johannes Lukowitz. Selbst wenn die Ausschreibung schon raus ist. Dass der Bau- und Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung sämtliche vorgetragenen Bedenken gegen eine Pflasterung mit behauenem Naturstein vom Tisch wischte (NWZ -Bericht „Ausschuss: Es bleibt beim Granitpflaster“ vom 27. Januar), hat der Delmenhorster mit „großem Entsetzen“ zur Kenntnis genommen. Aber er sagt: „Da kann man immer noch Änderungen nachschieben.“
Der 62-Jährige ist Architekt und Stadtplaner im Ruhestand. Ehrenamtlich vertritt er die Belange von Menschen mit Behinderung als Bauberater, auch als Berater für Projekte im öffentlichen Straßen- und Wegebau. „Meine erste Frau saß ein halbes Jahr lang im Rollstuhl, da bekommt man eine andere Sichtweise auf die Dinge“, sagt er.
Lukowitz formulierte seine Bedenken in einem Schreiben an den Oberbürgermeister. „Sie als öffentlicher Bauherr sollten die Belange aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen. Insbesondere die Bürgerinnen und Bürger, die (...) einen besonderen Schutz verdienen, können und werden sich (...) in ihren vitalsten Belangen missachtet sehen“, heißt es dort unter anderem.
Wer an einen Rollstuhl gefesselt oder auf einen Rollator angewiesen ist, könne sich auf groben Oberflächen kaum bewegen. Sich in die Lage dieser Menschen hineinzuversetzen könne für die Entscheidungsträger hilfreich sein. Lukowitz: „Sie werden über kleinste Details wie Stufen, Kanten und Oberflächen im öffentlichen Raum anders denken.“ Jede Ästhetik im öffentlichen Raum sei nichts wert, wenn sie über die funktionalen Anforderungen gestellt werde.
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