Trompete überstrahlt alles
KONZERT Ludwig Güttler und Friedrich Kircheis in Ohmstede
Oldenburg - Der Mann hat offenkundig immer noch eine beachtliche Fangemeinde: Äußerst zahlreich strömte das Publikum ins Konzert, um den sächsischen Trompeten-Dauerbrenner Ludwig Güttler zu erleben. Selbst die große Ohmsteder Kirche füllte Güttler bis in den letzten Winkel mit Zuhörern.
Für die Musiker blieb da nur noch auf der Orgelempore Platz. Und dort musizierte neben dem seit Jahrzehnten weltbekannten Trompeter der Organist Friedrich Kircheis.
Güttlers alter Studienkollege war dabei weit mehr als schlichter Begleiter: Wild und zerklüftet kommt Johann Pachelbels Praeludium d-Moll daher, kühn wirkt die folgende Fuge mit dem chromatisch abwärts geführten Thema. Die bewegend große Ciaccona rundete diesen virtuos von Kircheis musizierten Konzertauftakt spektakulär ab.
Bei Händels Suite für Trompete und Orgel D-Dur stieg dann auch Güttler ins Geschehen ein. Am Anfang noch nicht völlig frei und beweglich, spielte er sich schnell in Höchstform: Silbern helle und kristallklare Klänge zauberte der Trompeter schon in John Alcooks „Voluntary“ in den Kirchenraum. Die behänden, konturiert artikulierten Läufe beeindruckten dabei ebenso wie die klangliche Ausgeglichenheit, mit der Güttler in jeder Tonlage einen ebenmäßigen, individuellen Klang erzeugte. Dazu verfügt er auch in der Höhe über jede Stufe der Dynamik und wusste – etwa in Johann Ludwig Krebs' Choralvorspiel „Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr“ – seine Kunst effektvoll und emotionalisierend einzusetzen.
Güttlers Zweit-Instrument ist das barocke Corno da caccia, an dessen Rekonstruktion er einst wesentlich mitgewirkt hatte. Warm, weich und farbenreich erklang das Horn, wenn Güttler damit seine langen Melodie-Phrasen über die Orgelkaskaden von Gottfried August Homilius' Choralvorspiel „Wie schön leucht uns der Morgenstern“ legte.
Das Finale blieb der Strahlkraft von Güttlers Trompete vorbehalten: Henry Purcells D-Dur-Trompetenkonzert als eigentlicher Abschluss, nach dem jedoch lange nicht Schluss war: Das begeisterte Publikum konnte dem Trompeten-Orgel-Duo noch einige Zugaben entlocken.
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