So viel Griechenland gibt’s in Oldenburg
Finanzkrise Gutes Miteinander in der Stadt – Auf Platz 14 der Ausländerstatistik
Griechisches Essen gehört für viele dazu: Im „Elena“ bei Konstantinos Leontarakis (im Hintergrund) und Tochter Dimitra gibt es in jedem Jahr ein Benefiz-Essen. BILD: Philipp Herrnberger 
von Sabine Schickeund Jasper Rittner
Oldenburg - Sie heißen Zeus, Thassos oder Elena. Und viele Oldenburger sind Stammgäste bei Gyrosteller, Ouzo-Platte oder Zaziki. Griechenland hat kulinarisch einen festen Platz in Oldenburg. Griechen arbeiten in dieser Stadt aber auch als Ärzte, Architekten und Angestellte.
154 Griechen leben offiziell in der Stadt – Platz 14 in der Oldenburger Ausländerstatistik. Viele sind hier geboren. Und viele haben im Laufe der Jahre die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Wurden die Oldenburger Griechen früher oft auf Otto Rehhagel oder Moussaka-Rezepte angesprochen, nach schönen Urlaubszielen zwischen Athos und Rhodos gefragt, gibt es seit Tagen ein neues Gesprächsthema – die finanzielle Situation ihrer Heimat, die Krawalle und die enorme Staatsverschuldung.
Seit 51 Jahren lebt Gregor Angelis in Deutschland, seit 1970 in Oldenburg. Er hat das Architekturbüro Angelis und Partner aufgebaut, bei dem inzwischen Sohn Alexis Angelis den Führungsstab übernommen hat.
Mithin fühlt sich Gregor Angelis nicht angesprochen, wenn man ihn fragt „Was macht Ihr denn da?“ Er antwortet: „Ich? Ich mache gar nichts!“ Aber der 70-jährige Architekt findet es grausam, dass Griechenland sich in diese Situation durch das Fehlverhalten der Politik gebracht hat. Allerdings wünscht er sich einen differenzierten Blick auf die Lage in seinem Geburtsland und keine Pauschalverurteilung aller Menschen dort.
„Es gibt in dem Land eine reiche Oberschicht, die seit dem Ende der Militärdiktatur viel Geld verdient hat, aber es gibt auch die Witwe, die von 300 Euro Rente leben muss.“ Er befürchtet, dass die mühsamen Versuche, eine Mittelschicht zu etablieren, schweren Schaden nehmen.
Angelis bewundert die Festigkeit, mit der das Sparprogramm durchgesetzt wird. Das Zögern der deutschen Regierung bei der Unterstützungszusage hält er für einen Fehler, da Griechenlands Kreditwürdigkeit dadurch noch mehr gelitten habe und die Zinsen für Darlehen weiter gestiegen seien. „Bei zehn Prozent Zinsen wird die Entschuldung noch schwieriger.“ Er hofft dennoch, dass die Krise als Chance zur nachhaltigen Veränderung genutzt wird.
Um die „kleinen Leute und Handwerker“ in Griechenland macht sich auch Konstantinos Leontarakis vom Restaurant Elena Sorgen. „Die wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Er ist gerade auf der Insel Thassos und erlebt das Entsetzen der Menschen und die Hoffnungslosigkeit. „Alles wird von den Todesfällen in Athen überschattet.“
Leontarakis zweifelt noch, ob die finanzielle Hilfe greifen wird. Er telefoniert oft mit den drei Töchtern und seiner Frau in Oldenburg. Doch die Gäste kommen. „Alle wissen, dass die Familie hart arbeitet“, sagt er. Jedes Jahr etwa gibt es in dem Restaurant ein großes Benefiz-Essen. Der Erlös des Abends wird für eine Hilfsorganisation gespendet.
Auch Arigirios Bakas besaß früher ein griechisches Restaurant, das „Odysseus“ an der Donnerschweer Straße. Heute arbeitet der 40-Jährige als Marketing-Angestellter.
Er kam im Alter von sieben Jahren mit seinem Vater nach Deutschland. Die Mutter lebt noch heute in Athen, daher machte er sich Sorgen, als er die Bilder von den Krawallen sah. „Wir telefonieren oft in diesen Tagen.“
Er versteht die Menschen, die auf die Straße gehen. „Die sollen sich an die oberen Zehntausend wenden, da sitzt das Geld“, meint er mit Blick auf die Korruption.
Bakas mag den Euro nicht. „Griechenland soll die EU verlassen“, fordert er. Er glaubt nicht, dass die 25 Milliarden Euro überhaupt etwas bringen, sondern glaubt an einen Domino-Effekt: „Spanien, Portugal und Italien werden folgen.“
Manche fragen ihn dieser Tage, ob er schon gespendet habe. Dann lächelt er verschmitzt und bedankt sich höflich für die 25 Milliarden.
Er kennt aber auch Griechen, die schon die Nationalflagge von ihrem Auto abgenommen haben, damit es nicht zerkratzt wird.
Andersrum macht sich mancher deutsche Griechenland-Fan so seine Gedanken. „Kann man da noch mit dem deutschen Wohnmobil hinfahren?“ Die Angst vor einem platten Reifen schwingt bei der Reiseplanung mit.
Das Verhältnis der deutschen und griechischen Oldenburger aber scheint nicht unter der Krise zu leiden. „Trotz der negativen Schlagzeilen kommen die Gäste weiter“, sagt Konstantinos Leontarakis und freut sich. Bei Gyrosteller und Ouzo am Marschweg sind zwischenmenschliche Kontakte wichtiger als Finanzkrisen.
leben offiziell in Oldenburg. Die Männer (98) sind deutlich in der Mehrzahl. Im Jahr 2002 waren es noch 186. Hinzu kommen viele Deutsche griechischer Herkunft, die hier geboren sind oder die Staatsbürgerschaft angenommen haben. Genaue Zahlen darüber gibt es aber nicht. Viele besitzen die doppelte Staatsangehörigkeit. Da der griechische Staat nicht jedem, der es möchte, gestattet, die Staatsbürgerschaft aufzugeben.
auf Platz 14 – direkt hinter den US-Amerikanern und vor den Franzosen. Zum Vergleich: Auf Platz eins befinden sich die Türken (1935 Menschen) vor Polen (742), dem Irak (572), Russland (512) und Italien (314). Auf weiteren Plätzen folgen Libanon (275), Niederlande (249), Ukraine (208) und Iran (201).
als zwei Dutzend griechische Restaurants. Sie haben sich oft in ihren Stadtteilen etabliert und werden von griechischen Familien betrieben. Manche sind aber auch so multikulturell, dass sie z.B. von kurdischen Pächtern oder Besitzern betrieben werden.
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