OLDENBURG, 26. Juni 2010


Oldenburg: Gezinkte Karten bei Joker-Pleite?

Insolvenz Geschäftsführer will Unternehmen nur als Strohmann gekauft haben


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Letzter offener Tag? Am Freitagnachmittag hatte der Joker-Markt in Osternburg noch geöffnet. BILD: Jasper Rittner  Bild vergrößern

Von der Insolvenz betroffen sind zwei Gesellschaften mit dem Namen Joker. Eine verkaufte die Waren, die andere beschaffte sie.

von Thorsten Kuchta

Oldenburg - Die „Joker Outlet“-Billigläden-Kette mit noch neun Läden und 66 Mitarbeitern ist am Ende. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dirk Rüffert will die Läden „mit sofortiger Wirkung“ schließen. Nach seinen Angaben konnte er wegen der leeren Kassen des Unternehmens die u.a. von Stromversorgern geforderten Vorauszahlungen nicht leisten. Zudem habe er die Waren in den Läden nicht verkaufen können, weil sich Lieferanten mit unbezahlten Rechnungen gemeldet hatten. Damit seien die Waren schlichtweg nicht im Besitz des Unternehmens.

90 Prozent der Waren für die Kette wurden von der ebenfalls insolventen „Joker Marin GmbH“ eingekauft und weitergereicht. Nach Rüfferts Einschätzung hat auch diese Gesellschaft viele Rechnungen nicht bezahlt.

Geschäftsführender Gesellschafter von „Joker Marin“ ist Jörg Marin, der auch die Outlet-Kette gegründet hat. Über seinen Anwalt ließ er am Freitag mitteilen, dass er rechtlich zum Insolvenzantrag verpflichtet gewesen sei, weil die Outlet-Kette zahlungsunfähig war: „Damit drohten unsere Forderungen von ca. vier Millionen Euro gegen diese Gesellschaft aus Warenlieferung quasi wertlos zu werden.“ Daher sei „Joker Marin“ Hauptgläubiger im Insolvenzverfahren gegen die Billigläden.

In diesem Zusammenhang teilte Marin mit, dass er mittlerweile nicht mehr geschäftlich mit der von ihm gegründeten und stets persönlich in den Medien vertretenen Kette zu tun habe: „Ich bin weder Geschäftsführer noch Gesellschafter der Joker Outlet GmbH“, heißt es in einem Schreiben an die NWZ . Da schon seit längerem keinerlei gesellschaftsrechtliche Verbindung mehr gegeben sei, wäre es in diesem Zusammenhang nicht richtig, noch von einer Unternehmensgruppe „Jörg Marin“ zu sprechen, heißt es weiter.

Geschäftsführender Gesellschafter der Billigladen-Kette ist Dariusz Bachanek. „Jedoch nur auf dem Papier“, sagte Bachanek am Freitag der NWZ . Im November 2009 habe ihn sein damaliger Chef Marin wegen schlechter Ertragslage der Kette um Hilfe gebeten. „Er sagte, er habe den Banken private Sicherheiten gegeben und drohe alles zu verlieren, wenn etwas schief läuft“, sagte Bachanek der NWZ. Dann habe Marin ihm einen 25 000-Euro-Scheck ausgestellt, mit dem er die Firmenanteile übernehmen solle. „Am nächsten Tag waren wir beim Notar. Es war schon alles vorbereitet und ich habe unterschrieben.“ Er habe alle Nachweise und könne das alles belegen. „Ich“, sagt Bachanek, „hatte gar kein Geld, um diese Anteile zu kaufen.“

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Also ein Verkauf an einen Strohmann? Jörg Marin war am Freitag unter einer von seinem Anwalt angegebenen Telefonnummer nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.






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