Oldenburg: Busfahrer soll Hilfe verweigert haben

Ermittlungen 92-Jährige verletzt


von Rainer Dehmer

Oldenburg - Schlimmer Vorwurf gegen einen Busfahrer der VWG: Der Mann soll einer gehbehinderten 92-Jährigen, die sich beim Einsteigen verletzt hatte, nicht geholfen haben. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung und der fahrlässigen Körperverletzung. Grundlage dafür sind zwei Zeugenaussagen.

Der Vorfall spielte sich am Mittwochmittag voriger Woche an der Bushaltestelle am Posthalterweg in Wechloy ab. Die 92-Jährige, die einen Rollator als Gehhilfe nutzt, wartete mit ihrem Mann (96) auf den Bus der Linie 310. Als dieser eintraf, sei es wegen der Halteposition des Busses nicht möglich gewesen, hinten einzusteigen. Die Bitte des Ehepaars, mit dem Fahrzeug ein Stück nach vorn zu fahren, habe der Fahrer ablehnt.

Deshalb musste die 92-Jährige vorn einsteigen. Dabei passierte das Unglück. Die Rentnerin rutschte an der Stufe ab und verletzte sich am Schienbein. Die Wunde blutete stark. Laut Zeugenaussage habe sich der Busfahrer nicht um die Verletzte gekümmert.

Hilfe leisteten zwei weibliche Fahrgäste. Sie hätten den Busfahrer nach einem Verbandskasten gefragt. Der Mann soll daraufhin erklärt haben, dass er keinen habe. Die 92-Jährige wurde schließlich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort muss sie aufgrund der schweren Verletzung auch noch einige Tage bleiben.

VWG-Marketing-Chef Morell Predoehl weist die Kritik am Fahrer zurück. Der Einstieg für die Fahrgäste sei grundsätzlich vorn. Und Verbandskästen seien an Bord gewesen. Tatsächlich habe der Fahrer der 92-Jährigen nicht unmittelbar geholfen. Denn zwei Fahrgäste hätten sich um die Frau gekümmert. Über die Leitstelle habe der Fahrer aber sofort einen Krankenwagen angefordert.

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27.07.2010
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Leserkommentare (6)
wiedu
- 28.07.2010 16:54 Uhr
Bei solch einem Verhalten des Busfahrers werden wieder alle in einem Topf geworfen und die, die mehr als nur ihren Job machen, kommen schlecht dabei weg. Ich finde, passieren kann immer etwas. Es kommt dann darauf an, wie man, in diesem Fall die VWG, damit umgeht. Und hier muß ich mal, auch aus eigener Erfahrung, ein (ironisches) Lob aussprechen, mit welch einer hartnäckigen Ignoranz und Zurückweisung die Kunden behandelt werden. Was fährt man den auch mit dem Bus? Und ausserdem: Ohne Fahrgäste könnten die Fahrpläne wesentlich besser eingehalten werden! Bzgl. Pünktlichkeitsgarantie und Anschlussgarantie: Auch hier immer (!) zurückweisung der VWG mit der Begründung: Höhere Gewalt. DANN sollte man solche Versprechen nicht abgeben. Aber, warum sollte sich bei zunehmenden Fahrgastzahlen auch noch jemand darum kümmern, ob die Kunden zufrieden sind? Schließlich ist es eine Ehre, mit den Bussen der VWG fahren zu dürfen und manchmal auch gut am Ziel anzukommen. Danke VWG!
jimatbeam
- 28.07.2010 00:42 Uhr
Eigentlich kommentiert sich diese Armseligkeit bereits selber. Soviel Menschenverachtung gehört angezeigt. In den USA und anderen Ländern gäbe es in so einem Fall einen Schmerzensgeldprozeß mit schwindeleregenden Summen. Stattdessen kommt hier nur ein haarsträubender Kommentar des Marketing-Chefs. Noch armseliger gehts ja wohl nicht mehr! Wofür hat denn die VWG ihre Busse mit behindertengerechten Einstiegshilfen ausgestattet, wenn sie dann nicht genutzt werden? Und die Aussage des fehlenden Verbandskasten? Entfernt den unfähigen Fahrer aus dem Personennahverkehr. Er kann ja Betonmischer fahren. Unser behinderter Sohn hat solch mieses Verhalten auch schon am eigenen Leib erfahren müssen. Jede moderne Firma hat heutzutage ein Qualitätsmanagement. Scheinbar nicht die VWG. Das Verhalten des Busfahrers ist absolut inakzeptabel!
paul_oldenbuerger
- 27.07.2010 22:14 Uhr
Ich fahre täglich mit dem Bus und ich habe solche Situationen schon öfter verfolgen können. Andererseits habe ich auch schon Busfahrer erlebt die vor der Bushaltestelle oder dahinter gebremst haben um eine (meist jung und hübsch) Fahrgästin noch einsteigen zu lassen. Aber ebenso sind mir schon etliche Busse vor der Nase weggefahren, weil ich nicht genau an der Bushaltestelle stand! Gegen einige Fahrer in Oldenburg ist echt nichts zu sagen, die sind nett, freundlich und zuvorkommend. Aber es gibt auch echte Flitzpiepen die wie auf einem Thron ihr persönliches Königreich durch die Gegend fahren!! Als ich den Artikel las, konnte ich mir die Situation richtig gut vorstellen.
Danny0815
- 27.07.2010 13:18 Uhr
Ah, herrlichst. Bestätigt wieder mein Bild der Oldenburger BusfahrerInnen. Ich habe schon einige Städte gesehen. Nirgends habe ich bislang rücksichtslosere und unfreundlichere Busfahrer erlebt.

Das der Einstieg für Fahrgäste grundsätzlich vorne ist, ist übrigens eine Eigenart, die ich hier das erste mal kennengelernt habe. In meiner Heimatstadt konnte man einsteigen, wo man wollte. Für sowas gab es dann Kontrolleure, die man einmal im Monat im Bus getroffen hat. Und Kiel ist keine Kleinstadt.

Nunja, in Zukunft sollten die Mütter mit ihren Kinderwagen vielleicht vorne beim Fahrer einsteigen. Immerhin ist der Einstieg ja grundsätzlich vorne. Wie kann man nur so selbstverliebt sein, und für sich Ausnahmen beanspruchen. Und dann auch noch als Rentner. Skandal!
AndyOL
- 27.07.2010 12:45 Uhr
Ich bin selber Busfahrer,und kann nicht verstehen das der Fahrer nicht gleich so an die Haltestelle fährt das ein einsteigen mit Rollator hinten möglich gewesen wäre.
Man sieht die Personen ja schon an der Haltestelle stehen wenn man darauf zu fährt.
Aber dann noch ein versetzen des Busses zu verweigern,und die Dame vorne einsteigen zu lassen ist ja mehr als dämlich,es ist vorne ja viel zu eng dafür und wesentlich Zeitaufwendiger.. und Zeit ist das was den Fahrern bei der VWG ja eh schon immer fehlt..
Zum Glück ist nicht noch mehr passiert.
Wäre der Fahrer etwas nachsichtiger gewesen,hätte er sich diesen Ärger sparen können..
Und alle Subunternehmer fahren nicht mit Schrott..Die VWG/Nordbus hat auch einige Fahrzeuge die schon die besten jahre um haben..(die alten Gelenkzüge der BSAG)
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