Tag des offenen Juden-Friedhofs mit Führungen
Stadtgeschichte Gedenken an Pogrom-Opfer – Erinnerungsgang und Gottesdienste
von Heinz Arndt
Osternburg - Im Gedenken an die Opfer der Pogrome des Naziregimes im Jahr 1938 in Oldenburg richten die Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule Osternburg, wie berichtet, am Mittwoch, 10. November einen Erinnerungsgang aus. Beginn ist um 15 Uhr im Innenhof der Landesbibliothek.
Begleitet wird der Erinnerungsgang von zwei Gottesdiensten in der Dreifaltigkeitskirche, Cloppenburger Straße: am Sonntag, 7. November, ab 10 Uhr, danach Besuch des jüdischen Friedhofes (Ecke Dedestraße/Dragonerstraße), sowie ein Gedenk-Gottesdienst am Dienstag, 9. November, ab 18 Uhr.
Der Bürger- und Gartenbauverein Osternburg-Dammtor veranstaltet am Sonntag, 21. November, von 11 bis 15 Uhr erstmals einen „Tag des offenen Juden-Friedhofs“. Es sind Führungen über den Friedhof sowie eine Besichtigung der Leichenhalle geplant. Außerdem wird der Verein ein Informationsblatt über den Friedhof neu herausgeben.
In diesem im April 1988 von dem Osternburger Dr. Enno Meyer verfassten Info-Blatt wird u.a. berichtet, dass ein Mitglied der jüdischen Gemeinde in Oldenburg im Jahre 1814 an der Dedestraße/Dragonerstraße ein Grundstück kaufte. Weiter heißt es dort: „Hier wurden auch Juden aus Elsfleth, Wardenburg und dem Ammerland bestattet. Die ältesten Gräber befinden sich (vom Eingang aus gesehen) in der hinteren rechten Ecke. Sie tragen nur hebräische Inschriften. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts finden sich auf den Grabsteinen zweisprachige Inschriften, seit dem Ende des Jahrhunderts auch rein deutsche. Die wie eine Synagoge aussehende Leichenhalle ließ im Jahre 1925 Leiser Leo Trommer zum Gedächtnis seines einzigen 1918 verstorbenen Sohnes errichten.“
Enno Meyer beschreibt: „In der Reichskristallnacht (9./10. November 1938) versuchten Mitglieder der SA das Gebäude in Brand zu setzen, jedoch vergeblich. Sie verwüsteten lediglich das Innere. Sie wurden nach 1945 gerichtlich bestraft. Der Davidsstern, der die Kuppel schmückte, wurde in der NS-Zeit abgebrochen.“
Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem jüdischen Friedhof in einem Massengrab 1954 sowjetische Kriegsgefangene beerdigt. Nach und nach verwahrloste der Friedhof, und es sollen auch Grabsteine gestohlen worden sein. Nach dem Krieg wurden der Friedhof sowie die Leichenhalle wieder hergestellt. Zudem wurde in der Halle eine Gedenktafel für die in der NS-Zeit ermordeten Gemeinde-Mitglieder angebracht. Heute wird der jüdische Friedhof vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen betreut und gepflegt.
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