Oldenburger im Roten Meer fast versenkt
Unfall Tauchschiff von asiatischem Tanker gerammt – Alle unverletzt
von Mirja Zipfel
Oldenburg - „Das war kein Abenteuer – das war ein Horrortrip“, sagt Barry Wray. Der Oldenburger ist noch immer tief erschüttert über das, was er und zwölf Bekannte des Tauchtreffs Oldenburg bei einer Tauchsafari vergangene Woche im Roten Meer erleben mussten: Ein „riesengroßer asiatischer Tanker“ hatte die „Rosetta“, die Motoryacht, mit der sie auf halber Strecke zwischen Hurghada und Sharm el-Sheik unterwegs waren, gerammt. Nur durch ein Wunder blieben Barry Wray und die anderen Tauchreisenden unverletzt.
Doch um zu begreifen, wie brenzlig die Situation tatsächlich für sie alle gewesen ist, sollte man vorab wissen, dass Wray von Natur aus kein zimperlicher Mann ist. In den 1960er Jahren war der gebürtige Engländer mit der „Army“ im Jemen stationiert. Dort gerieten Wray und die anderen Soldaten unter Beschuss. „Aber das war nur halb so gefährlich wie der Vorfall auf dem Roten Meer.“
Auf dem Weg zum Wrack
Rückblick: Am Nachmittag des 26. November begeben sich der erfahrene Taucher Wray, die zwölf Mitreisenden, zwei Tourleiter sowie die fünfköpfige Besatzung inklusive ägyptischem Kapitän an Bord der „Rosetta“. Ihr Ziel: die „Thistlegorm“, ein britisches Frachtschiff, das im Zweiten Weltkrieg von einem deutschen Bomber in der Nähe der Sinai-Halbinsel versenkt wurde.
Los geht es im Urlaubsort Hurghada. Drei Stunden sind sie unterwegs, als es plötzlich kracht. „Ich war unter Deck. Alles flog nach vorne“, erinnert sich der 68-Jährige. Erster Gedanke: „Wir sind auf ein Riff gelaufen.“ Wray rennt nach oben. „Dort registrierte ich, dass wir frontal mit einem Tanker zusammengestoßen sind.“ Die komplette Bugspitze ist weggerissen. Geschehen in dem Moment, als die „Rosetta“ die Hauptfahrtrinne kreuzt; jene Wasserstraße, die den Suezkanal mit dem Golf von Aden verbindet.
Erlösende Nachricht
Es folgt eine Durchsage vom Käpt’n: „Er sagt, wir sollen uns darauf vorbereiten, das Boot zu verlassen.“ Chaos bricht unter den Passagieren aus. Ein Mann verkraftet die Aufregung nicht. Er klappt zusammen, muss mit Sauerstoff beatmet werden. Es ist kurz nach halb sechs und stockdunkel. Der asiatische Riesentanker hat nicht angehalten, um den in Seenot Geratenen zu helfen. „Gut möglich, dass er von dem Ganzen nichts mitbekommen hat“, sagt Wray. Die Schuld ist eindeutig: „Unser Kapitän hätte die Gefahr erkennen müssen.“
Schnell raffen Wray und die anderen ihr Hab und Gut zusammen und versammeln sich an Deck. Zwei Rettungsflöße und ein Schlauchboot sind an Bord. Dann das Missgeschick: Die Crew lässt das erste Floß zu Wasser. Es ist nicht vertaut, die Verpackungsbänder sind nicht entfernt. Wray kann nur noch sehen, wie es davon schwimmt.
Die Passagiere sind verängstigt. Minuten vergehen. Dann die erlösende Nachricht: „Es heißt, wir werden nicht sinken. Das Boot sei noch fahrtüchtig.“ Schwer beschädigt bringt der Kapitän die schrottreife Yacht in den nächsten Hafen.
Der Schrecken sitzt tief. Aber nicht so tief, dass sie die Reise abbrechen wollen. Schon am nächsten Tag betritt Barry Wray wieder ein Schiff. Zu groß ist die Sehnsucht, die Tiefen des Meeres zu erkunden.
ist ein 2240 Kilometer langes Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Nordost-Afrika und der Arabischen Halbinsel.
ist das Rote Meer auf Grund seiner enormen Dichte von Wracks sehr beliebt.
benutzt das Rote Meer als Abkürzung zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean.
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